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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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'‚Und wie lautete sie?, fragt der Pfarrer voller Spannung.

Ein Stück Brot!", sagt der Gelehrte.- Vom Gang her dringt das Geklapper von Holzpantinen.Weiter aus-

einander!, kommandiert jemand.So los! Noch weiter auseinander!

Könnt ihr kein Deutsch verstehen?

Der Gelehrte lächelt.Haß wird uns immer weiter voneinander: ent- fernen. So lange wir noch hassen, müssen wir auch im Frieden nein, verbessert er sich,sagen wir lieber nach Beendigung des Krieges noch fürchten. In den letzten Monaten habe ich darüber nachgedacht, wie eng Haß und Furcht miteinander verbunden sind. Es sind die gefährlichsten

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Feinde des ‚Friedens. Die Augen sind in die Ferne gerichtet, als er meint:Die Jugend in

der ganzen Welt sollt sich die Völkerversöhnung zur Aufgabe machen.

Und die deutsche Jugend. Seine letzten Wortegleiten an mir vorbei, denn das Klirren und Klappern

von jungen Langschäftern auf nassen Steinen klingt in mir auf. Ab-

gerissene Zeilen eines Liedes, dessen Ende der Sturm verschluckt. Soll diese Jugend?

Glaubst du noch an irgendetwas?, höre. ich den jungen Studenten sagen. Bin ich genau so glaubenslos wie er? Zweifle ich an der Möglich- keit einer Völkerverständigung? Wie könnte ich dann auf das Deutsch- land der Zukunft hoffen! Eines ist nicht ohne das andere denkbar.

Der. Gelehrte spricht von Jugendarbeit und Jugendorganisationen. Warum aber auf Kollektivaktionen warten? Warum den Blick in die Ferne richten? Sah ich nicht schon jene suchenden Augen am Morgen? Warum daran glauben, daß nur die Jugend zu dieser Aufgabe berufen ist?

Wird nicht der Grundstein zum Völkerfrieden gelegt, wenn wir übeı Nationalität und Rasse das Menschentum stellen? Soll dies ausgehen von Menschen bestimmter Altersgruppen? Von Klassen oder Schichten?

Ich. glaube an das Individuum mag es nun alt oder jung sein! Gab uns nicht schon vor fast zweitausend Jahren ein Mensch das Beispiel, daß der Einzelne das zu vollbringen vermag, was unserem zerquälten Jahr- hundert als so unerreichbar erscheint: Das Wunder der Versöhnung!

Zwei Stunden habe ichHerz gepaukt. Nun klappt das Anatomiebuch zu. Der Ruf des lebenden Herzens ist stärker!

Ein Buch, dessen Seiten eng bekritzelt sind mit Bleistift und Blaustift, wird aufgeschlagen. Da stehen seltsame Bemerkungen. Willi und Kolp würden sie ebensowenig verstehen wie unsere auf Norwegisch geführten

Gespräche. Tarald Lazarett. Rolf Katzenfell. Ejvind Rechtsanwalt. Kar-

thotek. Arne Lübeck. z Eine Geheimsprache?

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