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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Doch ich kann nicht zu Ende sprechen. Rolf wird lebhaft. Auch wir haben es noch nicht verlernt, uns zu freuen. Wenn Briefe kommen, wenn wir Briefe schreiben und wenn Besuch kommt. Und warten wir auch. an vielen Sonntagen vergebens, so haben wir doch die Hoffnung: vielleicht das nächstemal. Aber" Die Stimme senkt sich zum Flüstern. ,, Haben Sie den anderen Bauernhof gesehen?"

,, Das alte Fachwerkhaus, das so aussieht wie dieses?"

,, Ja, von außen gleicht es unserem, aber drinnen

,, Wer?"

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,, Nacht und Nebel!" Und fast unhörbar spricht Rolf weiter

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Der Zug rollt zurück durch die dunkle Nacht. Wir haben einen Platz am Fenster bekommen. Das Abteil füllt sich immer mehr; die Menschen schlafen im Stehen. Es hat aufgehört zu regnen. Der Wind fetzt die Wol­ken auseinander, daß der Mond hervorsieht. Er wirft fahles Licht über die nächtliche Landschaft. Hinter Weiden und Knicks und spärlichen Tannen­reihen liegen stille Bauernhöfe verborgen. Altes Fachwerk und eine Sonnenuhr, drinnen aber ein starrer Blick

Zwei Bauernhöfe. In dem einen ein Strafgefangenenkommando. In dem anderen französische Juden, die die Gestapo als N.- N.- Gefangene verborgen hält. Sorgfältig hat sie die französischen Kriegsgefangenenläger nach Juden durchsucht und bringt sie in ,, Nacht und Nebel", abgesondert von den anderen Kriegsgefangenen. ,, Seit wann sind sie hier?" habe ich Rolf gefragt. ,, Seit 1940."

Ihre Familien sind verschleppt nach dem Osten. Wer wird noch von ihnen am Leben sein? Wen werden sie einst wiederfinden? Werden sie selbst überhaupt jemals die Heimat wiedersehen? Warum hält die Gestapo sie als N.- N.- Gefangene verborgen? Warum geht sie nicht mit ihnen in der gleichen Weise vor wie mit anderen Juden?

Unergründlich ist die Gestapo , aber selbst ihre Unergründlichkeit hat

System.

Drittes Reich steht leer.

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Nacht und Nebel. Starre Augen

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die Wohnstube

Der Wind peitscht die Wolken über den Mond; es wird dunkel. Wir nähern uns der Stadt. Scheinwerfer beginnen sich milchig über die Wol­kendecke zu legen. Die Räder rumpeln und ächzen. Neben mir weint ein Kind: ,, Mutter, ich habe Angst. Wann sind wir zu Hause?"

,, 1943 bringt uns die Freiheit!" hat Björn am letzten Tage des ver­gangenen Jahres geschrieben. Jedesmal, wenn unser Zug über die Rends­ burger Brücke kommt, denke ich daran. Wie lange ist es schon wieder her, seit ich aus dem brennenden Hamburg in der rußgeschwärzten Wind­

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