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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Worten, als ich nebenbei erwähne: ,, Luftschutzgepäck. Wenn ich in Ham­ burg ausgebombt werde, habe ich nur noch das, was ich bei mir trage"? die Wahrheit. Wir tragen viel hinein: Brot, Priem, Medikamente und Worte allein sind Steine, wenn du hungerst! Brot ist nicht nur Brot. Es zu geben, ist heilige Handlung. Es sagt das Ungesagte, und diese Sprache verstehen alle Völker der Welt.

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Kein Tabak, nur Priem; den Rauch könnten die Grünen riechen. Der Priem liegt hinter den Zähnen Tag und Nacht. Manchmal allerdings bringen wir auch Zigaretten. Unsere Freunde sind zuverlässig; sie rauchen sie des Nachts. Sie zählen erst die Schläge der Uhr! Wenn endlich die Schritte des Grünen auf dem Gang verstummt sind, zünden sie sie an. Sie stehen dabei auf dem Schemel unter dem Fenster, schlagen das schwarze Papier zurück und sehen auf zum nachtblauen Himmel. Die Lungen hüllen sich in wohltätigen Rauch.

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Medikamente im Koffer sind Vitamintabletten, Transalben, Gaze, Watte und Leukoplast. Offene Beine verlangen nach Salben, Wunden müssen verbunden werden. Gefangene, die an Herzschwäche leiden, brauchen herzstärkende Mittel. Viele verlangen nach schmerzstillenden Tabletten. Im Arzneischrank des Zuchthauslazaretts fehlt es an nichts; in der Gefangenenzelle fehlt es an allem.

Während der Besuche liegt vor mir ein Heft aufgeschlagen. ,, Bestell­buch", nenne ich es im stillen! Alles, was die Gefangenen benötigen, wird aufgeschrieben.

Erst sind es nur Medikamente. Bald darauf stehen darin auch Bemer­kungen wie: ,, Schreibpapier

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Federn

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Tinte

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Bleistifte"

,, Danke!" sagen Olaf, Christian und Sigurd, als zum erstenmal Papier und Bleistift vor ihnen liegen. Das nächstemal ziehen sie, sorgsam ver­steckt unter dem Jackett, eine kleine Mappe hervor. Zeichnungen und Ge­dichte! Die Mappe wird mit herausgenommen. Neues Papier, spitze und breite Federn und Tusche wandern hinein.

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Warum nicht den freundlichen Oberinspektor fragen? Würde er es nicht erlauben? Nein, Gefangener bleibt Gefangener. ,, Ausgeschlossen! Das Reglement-" Er spielt mit dem Bleistift und zieht dann auf einer Akte mit dem Lineal säuberlich eine Linie nach. ,, Welch ein Mißbrauch würde wohl mit Bleistiften getrieben werden! Die Gefangenen könnten das Papier zur Nachrichtenübermittlung von Zelle zu Zelle benutzen. Sie könn­ten es vermittels einer Schnur an der Außenwand herunterlassen zu einer anderen Zelle. Da hatten wir einen Fall vor zehn Jahren ständlich beginnt er zu erzählen.

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Vergißt er, daß die Gefangenen, auch wenn wir ihnen nicht Papier in die Zelle geben, Schnur und Papier haben? Für Mitteilungen untereinander

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