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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Wir sind noch zu Hause, im Garten. Aus der Dämmerung wird Dunkel. Aus dem rötlichen Schimmer des Himmels wird flammende Glut. Ein matter Abglanz ist über Baum und Garten.

Die Benommenheit weicht. Langsam taucht alles wieder auf, was war gestern vorher

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Das Zuchthaus. Schlurende Holzpantinen. Eine donnernde Stimme: ,, Nicht Gott , der Führer hat hier die Macht!"

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Brand- und Leichengeruch nimmt mir den Atem. Gedanken und Vor­stellungen jagen einander.

Die trappelnden Füße in der Nacht. So trappelten sie über das Pflaster, als er kam! Auf dem flammenden Scheiterhaufen türmten sich Bücher zu Bergen. Sie wurden verbrannt. Vom Freiheitsgedanken blieb kaum mehr übrig als ein Häufchen Asche, das weiterglomm in den Herzen derer, die abseits im Dunkel standen. Im flammenden Licht tanzte die jauchzende Menge und sang: ,, Heilig Vaterland-". Und die Fackeln schlugen gen

Himmel.

Die müde sich schleppenden Füße am Morgen! Die Hände halten das letzte Reisegepäck so vertrieben zieht am Anfang des Krieges das biblische Volk gen Osten. Sie können nichts mit sich nehmen; sie ziehen in den Tod.

Jenseits der Hecke sind schwere Schritte auf der Straße. Sie mar­schieren in Reih und Glied. Die Spaten liegen über den Schultern wie Gewehre. Soldaten oder Kriegsgefangene? Im Dunkel sind die Uniformen gleich. Nur das Eisen der blanken Spaten blinkt rötlich. Über die fahlen Gesichter ergießt sich ein roter Schein. Sie ziehen in die Stadt. Es sind Totengräber.

Da überkommt mich ein Gefühl unbeschreiblicher Schwere, unnennbares Ahnen einer nie zu überwindenden Düsternis des Lebens! Habe ich nicht schon früher diesen Zug gesehen? Trugen sie nicht auch Uniformen? Doch der Schritt war müder, nicht so unaufhaltsam erbarmungslos fortschreitend wie heute. War es vor mehr als zwei Jahrzehnten?

Die Gedanken verwirren und entwirren sich: denn was wir einmal er­schauten und nicht erfaßten, wird uns, wenn es nochmals im späteren Leben auftaucht, deutlicher klarer.

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Immer noch marschieren die Stiefel über das steinige Pflaster. Lautes Hupen von Autos kommt ihnen entgegen. Frech klingt es herein in die brennende Nacht. Die Stiefel drücken sich zur Seite. Leise surrend rollen die Wagen an ihnen vorbei. Im roten Licht des Himmels glänzt der Lack, schimmern die Scheiben vorn. Im Wageninnern sind die Fenster herunter­gerollt. Der Scheinwerfer des folgenden erhellt den voranfahrenden Wa­gen. Damen in Pelz und Männer in brauner Uniform sitzen darin. Auf dem Verdeck häuft sich Gepäck, eingebuchtet von sich darüberspannenden breiten Riemen.

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