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_— unter der dicken Panzerdecke.'
Die Feilen ruhen. Otto hockt mit den Gefangenen in einer Ecke. Sie flüstern. Er teilt Holzzweiglein aus, die er aus seinem Garten mitgebracht hat. Mit den Feilen zerschaben sie diese Zweige zu hauchfeinen Blättchen. Liegen sie dann lange genug hinter den Zähnen und feuchten gut durch, geht durch den Mund eine schwache Ahnung von Tabak.
Sigurd allein steht vor der Maschine. Er starrt auf das Band. Vielleicht schon wieder in einer. Stunde wird es in rasender Fahrt im Kreis rotieren.
. Und das träge laufende Band macht die Runde langsam.
Bitterkeit erfüllt Sigurd. Sie macht ihn schwach, sie macht ihn zum
reißenden Tier. Seine Hände umspannen die Bänder. Sie zerren an dem
dicken Leder, als wollten sie es zerreißen.
Kostbare Zeit, die mir in diesen Jahren entglitt! Ich bin Künstler. Ich will schaffen. Ihr aber‘'stehlt mir das Leben. Ihr zwingt mich in die tote Stadt! Er flucht dem Lande, er flucht jedem einzelnen Deutschen .
Da erklingt eine Melodie. Sigurd dreht sich nicht um. Er vermeint-zu träumen. Aber die tiefe, freundliche Stimme des Mannes singt weiter. Die Worte des Liedes kennt Sigurd. Sie wirken in’ der Aussprache des Deutschen seltsam gedehnt und zwingend. Als sich Sigurd endlich wendet, blitzt es in den Augen hinter der goldumränderten Brille stolz auf.
„Wie gefällt Ihnen unser Lied?" fragt der Werkarzt.„Die Worte wurden im Kohlenbunker geschrieben. Die Musik dazu komponierte ich im Bunker “ Wieder blitzt es in den Augen, diesmal fast zornig.
Dahn aber lächelt der Arzt und sagt.„Man will uns trennen, doch Ihre Worte und meine Musik binden uns zusammen!”:
'„Als ich mein Todesurteil bekam, lächelte ich”, sagt Sigurd zu uns. „Seitdem ist jeder einzige Tag ein Kampf, dieses Lächeln zu bewahren. Oft packt mich Zorn. Oft werde ich ungeduldig. Ich fühle mich abge-
“schnitten von allem, was ich liebe, Bücher, Farben, Musik! Dann aber über-
kommt mich wieder die Gewißheit, daß ich nicht allein warte. Wir haben starke Verbündete, die mit uns kämpfen um Frieden— in uns selbst und auf der Welt!”
Sigurd sieht zu mir herüber.
Wir geben einander die Hand. Wir nehmen Abschied. Doch heute
zum erstenmal habe ich kein Gefühl der Machtlosigkeit mehr bei dem Ge-
' danken, daß Sigurd zurück in-die tote Stadt geht.
Ich lächele und sage zu ihm:„Grüßen Sie unsere Kameraden!” ie „Alles erledigt?‘ fragt mich der Grüne.„Zurück nach Halle 14!" ruft er Sigurd zu.:Vor mir macht er den grünen Ärmel stramm:„Heil Hitler !” “Wir gehen den staubigen Weg am Stacheldrahtzaun entlang. Auf der Betonstraße gehen einige grau-blaue Uniformen träge im Sonnenlicht. Ganz in der Ferne eine grüne und eine schwarze Uniform. Wir sehen ihnen nach. Die breiten gelben Streifen an Hose und Ärmel werden zu schmalen


