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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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und die schmutzig- graugelben Streifen wahr. Ich höre das Klappern der Holzpantinen.

Als wir dann im Besuchszimmer sind, wird nur wenig gesprochen. ,, Wie geht es dir, Björn?"

,, Danke

-

gut!"

,, Wohnst du mit guten Kameraden zusammen?"

,, Ich wohne und arbeite auf einer Zelle allein."

Auch die schärfste Überwachung könnte nichts an diesem Gespräch beanstanden.

Es ist der erste Besuch! Vieles bleibt ungesagt. Keine grüne Uniform ist dabei. Doch es scheint so, als sei sie mit einer Tarnkappe versehen uns ins Zimmer gefolgt.

Die Stimmen sind gedämpft. Auch die des Pfarrers. Und ich? Mir ist so, als habe ich die Sprache verloren. Kaum, daß ich Antwort gebe, als der Pfarrer eine Frage an mich richtet.

Ich erfasse, daß es schwer ist, die Freiheit hinter Mauern zu bewahren! An diesem Nachmittag bin ich so unfrei wie nie zuvor.

Gibt es noch eine Welt jenseits dieser Mauer? Unvorstellbar erscheint es mir. Denn wenn es sie gäbe könnte sie wirklich schweigen zu dem, was hier drinnen geschieht?

Oder ist das, was ich hinter den Mauern an diesem ersten Nachmittag erlebe, nur ein Tropfen in einem Meer von Leid?

Beim ersten Besuch erfahre ich nur vom Pfarrer, daß jeder Gefangene seine Geschichte hat. Keine Zeitung berichtet sie, weder in Norwegen noch in Deutschland . Wer hat sie mir dann erzählt?

Nun, die Gefangenen selbst! Doch das ist alles viel später. Erst dann, als wir die Freiheit mit uns bringen, als wir die letzten Schatten quälen­der Schwere aus dem Besuchszimmer zu bannen vermögen.

Als wir Olaf, Christian und Viggo gegenübersitzen, ist das Lächeln noch sehr zaghaft. Und dennoch

,, Wie schön es ist, einmal keine Uniform zu sehen!" Olaf streicht sich mit der Hand über die Augen, als ob er mit dieser Bewegung einen bösen Traum verscheucht. Freundlich sieht er mich an.

Ich möchte ihm etwas darauf sagen, doch ich finde keine Antwort. Ich bin wie ausgepumpt. Ein Satz fällt mir ein, den ich oft in Gefangenen­briefen lese: ,, Der Kopf ist mir so leer." So geht es mir jetzt. Ich nicke Olaf nur zu und schweige.

,, Christian, wie geht es Dadda?" fragt der Pfarrer. Über Christians Ge­sicht geht ein heller Schein. Auch Olaf und Viggo lächeln.

,, Sie ist bei Anna Louise und den Kindern. Wie damals. Weißt du noch?" ,, Christian und ich sind zusammen zur Schule gegangen", sagt der Pfarrer zu mir hingewandt. ,, Ich sehe dich noch vor mir, Christian, als du zum erstenmal zur Schule kamst."

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