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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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Es muß schon spät am Nachmittag sein. Björn hat die Uhr des Kirch­turms nicht schlagen hören. Doch vor ihm liegt ein Berg von Tüten. Das ist seine Uhr

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tagaus, tagein.

Warum steigst du auf den Schemel, Björn? Weißt du denn nicht, daß es Arrest kostet, aus dem Fenster zu sehen?

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Nur einen Augenblick nur eine halbe Minute! Die Mauer gegenüber liegt im Sonnenschein. Nur das will ich sehen. Ein wenig Sonne! Zu mir kann sie nicht kommen. Meine Zelle liegt im Schatten eines der Flügel des ,, Sterns".

Beeile dich, Björn! Noch zweihundert Tüten.

Wenn ich sterbe, kann es nicht stiller sein! Ich bin allein.

Klopft es da nicht leise gegen die Wand? Über Björns Gesicht geht ein Lächeln, wie ein letzter Abglanz der auf der Mauer liegenden Sonne. Ja, Kamerad! Das ist unsere Sprache. Wir sind nicht allein! Das Gespräch beginnt. Während die Antwort kommt, greifen die Hände Bogen für Bogen. ,, Warum warst du nicht in der Freistunde?"

,, Strafe! Gab's etwas Neues?"

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,, Fünf Kameraden gestern von Norwegen angekommen." ,, Was sagen sie? Wie lange noch?"

,, Ein paar Monate höchstens."

Schritte auf dem Gang. Das Klopfen verstummt. Björn sieht sich nicht um. Er fühlt das ,, Auge " auch im Rücken.

Noch hundert Tüten. Um sechs gibt es Brot. In einer Stunde. Brot! Ob ich wohl heute eine Kante bekomme? Oder wird es nur die Schnitte? Der Freund vom Kalfaktor bekam gestern zwei Kanten. Wie gut Brot ist, viel besser als Kuchen. Zu Hause hat Mama jeden Sonnabend gebacken. Wenn der Kuchen noch im Ofen stand, wartete ich schon in der Küche. Warm schmeckt er am besten!

Neunundneunzig. Hundert. Zwölf Kästen sind voll. Kurz darauf der dünne Ton der Glocke. Björn packt zusammen. Es ist schon halbdunkel in der Zelle, noch geht das Licht nicht an.

Björn hockt sich auf den Schemel und zieht die Beine hoch. Vom Stein­boden kriecht die Kälte herauf. Er vergräbt die Hände tief in die Ärmel. Holzpantinengeklapper auf dem Gang: Kameraden, die vom Außen­kommando zurückkehren. Vor der Zellentür ein lautes Husten. Guten Abend, Kamerad! Der tägliche Gruß. Es ist Christian. Ein schwaches Lächeln geht über Björns Gesicht.

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Türen werden geöffnet und fallen krachend ins Schloß. Nur noch einige Minuten, gleich gibt es Brot. Björn wartet mit dem Blick zur Tür. Es wird kein Kanten! Doch Björn bricht die Rinden sorgfältig ab und legt sie beiseite. Erst dann kaut er langsam das Brot. Schwach flackert das Licht auf. Björn heftet das schwarze Papier vors Fenster. Verdunkelung! Kein Lichtspalt darf von außen zu sehen sein.

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