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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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einen Brief für Dich an, um Dir zu sagen, daß es mir gut geht. Was soll ich Dir schreiben? Ein Tag vergeht wie der andere

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Björn sieht auf und überlegt einen Augenblick. Dann streicht er den eben begonnenen letzten Satz sorgfältig wieder durch und schreibt statt­dessen: ,, Mach Dir keine Sorgen um mich, Mama!"

Eine Glocke klingelt, langgezogen und dünn. So, läuteten Glocken seit altersher in Klöstern. Der Bleistiftstummel verschwindet in einer aufge­zupften Naht der zerschlissenen Jacke. Ein letzter Blick auf den Brief­entwurf. ,, Mach Dir keine Sorgen um mich, Mama!" Das Zettelchen ver­schwindet unter dem Stoß Papier . Die Hände greifen einen Bogen

Die Hände falten, falzen und leimen.

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Ist die gebeugte Gestalt, die auf dem Schemel hockt, ein neunzehn­jähriger Junge? Oder ein alter Mann? Die Augen starren ins Leere; die Hände tun ihre Arbeit. Das ,, Auge " braucht nicht zu wachen. Wie die Stunden dahinrinnen, scheint alles Leben aus der Zelle zu weichen. Nachmittagsstille liegt über dem Zuchthaus. Nichts rührt sich auf dem Gang. Björn lugt nach dem Auge". Die Klappe liegt darüber Gefahr im Verzug! Unter dem Stoß Papier kommt ein Buch zum Vorschein. Einmal die Woche erhalten sie ein Buch aus der Bibliothek des Zuchthauses. Diesmal sind es Bauwerke des Mittelalters. Björn betrachtet lange Zeit einen gotischen Turm. Dann greift die Hand in die Naht der Jacke. Nur rasch eine Zeichnung! Eine norwegische Blockhütte entsteht. Wenn ich nur erst Architekt wäre!

Die Hände falten, falzen und leimen.

In der Zelle nebenan wird gesungen. Ein altes norwegisches Lied, das sang Lillemor auch. Ob sie wohl' in der Schauspielschule angenommen wird? ,, Morgen soll ich vorsprechen, schreibt sie im letzten Brief. Sie weiß gut zu erzählen. Lillemor! Tausenderlei Sachen erlebt sie am Tag. Sie hat viele Freunde und Freundinnen. Mit rundgeschwungenen Buch­staben kritzelt sie an den Rand des Briefes an Björn: ,, Heute bin ich ein­geladen. Morgen gehe ich ins Theater. Ich weiß nicht, wo die Zeit bleibt so viel habe ich vor!"

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Wie still es ist! Wie viele Tage sind vergangen, seitdem ich zum Mama Lille­letzenmal gesprochen habe? Ich bin allein. Bergen Farben Leben hat es das wirklich alles einmal gegeben? Oder habe ich es nur in langen, dunklen Nächten geträumt? Nur diese Zelle, die weißgekalkten Wände und die Gittergardinen sind Wirklichkeit.

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Die Arbeit ruht. Das Stückchen Holz klebt im Leimtopf fest. Björn schließt die Augen und verbirgt das Gesicht in den Händen. Er versucht, die Zelle und die sich vorzustellen, daß das alles nur ein Albtraum sei­ewig gleichen vier Wände.

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Nein, nein! Die Eisenstangen vorm Fenster sind noch ebenso dick wie vorher. Sie lassen ein müdes, weißes Licht durch die vier winzigen Scheiben.

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