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Halt Wacht im Dunkel / Hiltgunt Zassenhaus
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,, Nein, ich habe keinerlei Verbindung zu der hier ansässigen skandina­vischen Kolonie."

Der Chef nickt zufrieden.' ,, Das ist gut so. Ich glaube, daß niemand geeigneter ist als Sie! Ich habe Sie daher dem Justizministerium zur Über­wachung der Besuche vorgeschlagen" Er macht eine Pause, in der er mich forschend ansieht: ,, Ich weiß, Sie wollen wieder dieselbe Forderung stellen wie damals bei der Briefüberwachung. Selbständige Arbeit. Gut! Ich vertraue Ihnen. Sie werden die Überwachung selbständig über­ohne Wachtmeister. Die Unterhaltung kann norwegisch vor sich

nehmen gehen."

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Irgendwie schäme ich mich in diesem Augenblick über dies mir uner­klärlich große Vertrauen. Ich halte dem Blick des Chefs nicht stand. Aber dann sitze ich wieder sehr gerade, als ich ihn weitersprechen höre: ,, Lie­fern Sie mir Berichte, wenn die Gefangenen irgend etwas äußern sollten, das auf ihre politisch gegnerische Haltung schließen läßt. Überhaupt in dieser Hinsicht! Vielleicht wäre da noch manches, was Sie ermitteln könnten" Der Chef macht eine Handbewegung, als wollte er sagen: ,, Nun, Sie wissen wohl, was ich meine?"

,, Ich kann Ihnen nichts versprechen

antworte ich unbestimmt. ,, Gut", sagt der Chef. ,, Ich überlasse es Ihnen. Aber auf eines mache ich Sie ausdrücklich aufmerksam: In keinem Fall darf der Pfarrer Seelsorge treiben. Sie bürgen mir dafür. Also?"

Ich schweige und denke: Vor allem keine freudige Zusage! Nach eini­gem Zögern antworte ich: ,, Ich habe nur wenig Zeit. Ich muß es mir noch einmal überlegen. In einigen Tagen gebe ich Bescheid."

Mein Zögern scheint dem Chef endgültig zu überzeugen, daß nur ich imstande sein werde, die Überwachung scharf genug durchzuführen. ,, Sie wundern sich vielleicht, daß wir eine Frau mit dieser Aufgabe betrauen?" meint er. ,, Im Frieden wäre dies allerdings unmöglich gewesen. Aber es sind eben Kriegszeiten!" Er streicht ein Stäubchen von der blanken Schreib­tischfläche. ,, Sie brauchen übrigens keine Angst zu haben vor den Gefan­genen", sagt er im überredenden Ton. ,, Auf den Gängen sind genug Wacht­meister, wie Sie wissen. Sie können eine Glocke mit hereinnehmen sollte irgend etwas sein, brauchen Sie nur zu läuten, und dann ,, Danke, Herr Regierungsrat!" Ich stehe auf. ,, Ich glaube, ich werde auch ohne, Glocke fertig!"

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Erst jetzt beginnt die Arbeit in ihrem vollen Umfang. Anfangs nur in Hamburg - Fuhlsbüttel . Doch schon wenige Monate später sitzen der Pfarrer und ich im Zug. Nach einem Jahr wird mir auch die Besuchsüberwachung der Dänen übertragen.

Im Laufe der Zeit verschaffen wir uns Zutritt zu allen Zuchthäusern und Gefängnissen, in denen norwegische und dänische Gefangene sind.

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