Noch bis zu dem vorhergehenden Tage haben wir in der Schule die Probleme des Liberalismus und der Demokratie diskutiert. Ob meine Mit- schülerinnen das vergessen haben? Als ich darüber zu sprechen beginne, vereisen die meisten Gesichter. Einige, die es gut meinen, warnen zur Vor- sicht. Aber Vorsicht ist ein Begriff, den ich bis jetzt nur in Verbindung mit Straßenverkehr kenne!
Chaotisch, verzweifelt sieht es in mir aus, als ich nach Hause gehe. Soll das, was einst leuchtende Wahrheit war, vergessen sein?
Zu-Hause ist alles unverändert. Zu Hause sind meine Eltern, die uns
vor dem Leben”. Wir stehen in Opposition. Monate werden zu Jahren. In dem Alter, in welchem wir uns am liebsten begeistern würden, müssen wir„nein‘ sagen. „Soll man objektiv oder subjektiv denken, wenn es das eigene Volk betrifft?" fragt mich die Lehrerin.
„Objektiv.
Die Lehrerin weist mich aus der Klasse und sagt:„Sie werden es nie begreifen."
Trotzdem bekomme ich das Abitur— es ist beinahe ein Wunder.
Es geht auf Wanderschaft, zusammen mit einer Freundin. Wir ziehen nach Dänemark , zum erstenmal, nur für ein paar Tage. Jede hat zwanzig Mark in der Tasche.
Wir wandern die dänische Landstraße entlang. Tief holen wir Atem. Wir sind in einem freien Land! Es gießt in Strömen, doch was tut es! Wir traben weiter und versuchen zu vergessen, daß wir schon bald wieder zurück müssen in das Land der Nazisten.
Da nähert sich uns ein großes Auto. Es ist dunkelblau. Als es uns erreicht hat, hält es. Eine Dame sitzt darin.„Steigen Sie ein!‘ sagt sie, und dann fahren wir. Der Regen klatscht gegen das Fenster und wir wer- den schläfrig von dem eintönigen Geprassel.——— Wir wachen erst auf,
als das Auto mit’einem Ruck hält. Wir sind an der See, in der Nähe‘
Kopenhagens.; . Die Sonne scheint wieder— über den Himmel spannt sich ein Regen- bogen.;:
Die Dame sagt zu uns:„Jetzt sollen Sie dänische Ferien verleben!"-— Sie führt uns ins Haus, wo schon mehrere andere Gäste sind. Drei Wochen bleiben wir dort.;
; Als ich das Land verlasse, steht der Beschluß fest: Ich werde Philologie mit Dänisch als Hauptfach studieren.
Wieder geht es nach Dänemark . Diesmal für fast zwei Jahre. Die dänische Gastfreiheit wird zum Erlebnis. Weiter geht es nach England. Beiden Ländern habe ich viel zu danken.
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