,, Vor Ihrem Hause steht ein Alliiertenwagen. Ist bei Ihnen ein Engländer?" ,, Nein, ein Norweger."
Sie kommen herein. Sie sagen zu Eilif: ,, Wissen Sie nicht als Offizier, daß jegliches Fraternisieren mit Deutschen verboten ist? Wir müssen Meldung über Sie machen."
Eilif fährt auf: ,, Sie wissen wohl nicht, wer sie ist?" Er zeigt auf mich: ,, Ich war Zuchthausgefangener in Deutschland . Und sie war unsere Dolmetscherin."
Der englische Sergeant versteht ihn falsch. ,, Aha! Sie war Gefangene. Nun, das ist schon etwas anderes. Trotzdem
,, Nein, nein! Ich war keine Gefangene", falle ich ihm ins Wort. ,, Im Gegenteil! Ich war während der letzten drei Jahre Dolmetscherin an deutschen Zuchthäusern."
Der andere englische Polizist hat sich inzwischen im Zimmer umgesehen. Über dem Schrank hängt ein Davidstern. Als er ihn entdeckt, wird er lebhaft. Er zupft den Sergeanten am Ärmel, zeigt auf den Stern und flüstert ihm etwas zu. Da lächelt der Sergeant und sagt, zu mir hingewandt, freundlich: ,, Sie sind Jüdin? Das ist etwas anderes.".
,, Sir irren. Ich bin weder Gefangene noch Jüdin."
Da wird das Gesicht so amtlich, wie es nur sein kann. Das Notizbuch kommt hervor. Der Sergeant wendet sich nur noch an Eilif, als sei ich gar nicht mehr im Zimmer: ,, Ihre Papiere! Sie hören selbst, daß diese Dame sagt, sie sei eine Deutsche. Und, wie wir sehen, haben Sie sogar in diesem Hause gegessen!"
Während Eilif dem Sergeanten seine Papiere reicht, sagt er auf norwegisch zu mir: ,, Sie tun nur ihre Pflicht. Sie können es ja nicht wissen."
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Sie tun nur ihre Pflicht! Habe ich die meine nicht auch einmal getan? Damals haben wir zusammen gegessen. Während ich das Brot austeilte, stand einer der Kameraden an der Tür und hielt Wache.- Rührte es sich nicht draußen auf dem Gang? Doch die schweren Stiefel, die noch eben zu hören waren, verhallten.- Und wir sprachen vom Frieden. Wir waren wie eine große Familie Deutsche !
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die Norweger, Dänen und ich
die
Es prasselt gegen das Holz am Fenster Es gießt in Strömen. Als wir wieder allein sind, ist alles anders. Die frohe Stimmung von vorhin ist vorbei. Eilif fühlt es. Er gibt mir die Hand und sagt: ,, Sprachen wir nicht vorhin von den alten Zeiten von damals. Als die hohen Mauern überwunden wurden!"
,, Und jetzt
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--?" frage ich ihn mit halber Stimme.
Eilif springt auf. ,, Laß uns zum Zuchthaus Fuhlsbüttel fahren. Noch einmal dorthin
-
zum letztenmal!"
Während der Fahrt erzählt mir Eilif, warum er nach Deutschland gekommen ist. Er hat den Auftrag, nach vermißten dänischen und norwegischen Gefangenen zu suchen.
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