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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Zwölf Jahre fürchterlichen Ringens und des Widerstandes gegen die SS. ­Banditen sind vorüber. Nie werden sie wiederkehren. Ein zwölfjähriges Rin­gen hinter Stacheldraht und unter Bajonetten liegt hinter uns. Wir haben einen Teil dieser Tyrannen in unseren Händen. Wir haben sie den Alliierten übergeben. Sie werden nun über sie richten und sie der gerechten Strafe zuführen. Sie gehören zu den Mitverantwortlichen für die 51 000 Toten von Buchenwald .

Kameraden! 51 000 Tote! 51 000 Ermordete, Erschossene, Erhängte, Gefol­terte und Verhungerte. Das ist das Werk der SS . und ihrer Helfershelfer. Die amerikanische Armee hat uns befreit, wir grüßen sie. Leider war es aber demjenigen Mann, der so siegreich seine Armeen gegen Deutschland einge­setzt hat, nicht mehr gegönnt, die Befreiung der deutschen Konzentrations­lager mit zu erleben. Franklin Roosevelt , er ist für immer von uns allen ge­gangen. Sein Name wird eingehen für alle Ewigkeit in die Geschichte der Welt. Sein Name wird eingehen in das Finale der Konzentrationslager, denn er und seine stolzen Armeen waren unsere Befreier.

Franklin Roosevelt war Demokrat und Antifaschist. Kameraden, Antifaschisten Buchenwalds!

Bedenkt, da deutsche Antifaschisten die ersten Opfer der nationalsozia­listischen Konzentrationslager waren, und daß sie in internationaler Zusam­menarbeit mit den Antifaschisten aller Länder aktiv an der Befreiung be­teiligt waren.

Wir senken die Fahnen zur Ehre und dem Gedächtnis des großen Anti­faschisten Franklin Roosevelt . Wir senken die Fahnen für die 51 000 Toten von Buchenwald . Wir schwören ihnen:

Tod dem Faschismus".

Alles blieb stumm. Ergriffen waren wir. In stiller Andacht gedachten wir un­serer verblichenen Angehörigen.

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Wie schön wäre es, wenn sie unter uns weilen würden.-- Leider.-- Auch sie zählen zu den Millionen, die SS .- Bestialität gemordet hat. Während dieser Feier kreisten amerikanische Flugzeuge über uns. Die Hymnen der Nationen erklangen. Ein Feiertag.--- Ein wahrer Tag der inneren Freude und des Friedens. Das war der erste Freiheits- Appell" in der einstigen Hölle von Buchen­ wald .

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Die Tore der Hölle von Buchenwald öffnen sich

Nach den Jahren der Stürme waren die Tage des Friedens und der Ruhe eingekehrt. Langsam erholten wir uns. Nach den bösen Erfahrungen der ersten Tage, an welchen sich viele ehemalige Häftlinge der Guten Sachen" zuviel vornahmen, wurden wir jetzt systematisch zum Essen erzogen. Hülsen­früchte, Eier, Butter und andere Sachen waren jetzt alle wieder da.

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Langsam gewöhnten wir uns wieder an die Kultur, langsam ergriff das normale Leben wieder Besitz von uns. Wir erhielten Betten, Zahnbürsten und Zahnputzmittel, Kämme, Löffel, Gabel, Messer, Unterhosen, Strümpfe, Taschentücher, Klosettpapier. Wir erhielten alle die Dinge, an die wir seit Jahren nicht, niemals mehr gedacht hatten, wir wußten kaum noch, daß es so etwas gibt.

12°

Zum Beispiel ein Taschentuch!

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