Druckschrift 
Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
Seite
171
Einzelbild herunterladen

Een 0,00, 0000 0

J wir

- im ‚chen 2%

| | |

Während wir in diesem Geiste auf dem Appellplatz angeirefen waren, öffneten sich die Tore zum Einmarsch der alliierten Soldaten.

Dem ersten Panzer entstieg ein junger blonder amerikanischer Offizier. Ohne Waffen betrat er die einstige Hölle von Buchenwald , als sei er zu einem Besuch gekommen. Ringsum lag Munition, die noch gegen uns verwendet werden sollte. 21 000 Häftlinge standen zum Empfang bereit. Bevor der junge Offizier das Tor durchschritt, blieb er noch einen Augenblick stehen. Sein Blick lag auf der holzgeschnitzten Tafel mit der Inschrift:

Recht oder Unrecht, mein Vaterland!

Kopfschüttelnd kam er weiter auf uns zu.:

Inzwischen waren auch die amerikanischen Panzerkolosse herangekommen.

Hochrufe auf die USA. -Armee setzten ein.--- Auf die solange herbei- gesehnten Befreier. Der erste Soldat der alliierten Armee betrat den seit zwölf Jahren durch die SS. -Bestien mit Blut getränkten Boden. Wir vermochten uns nicht zu bezwingen. Wir liefen dem Offizier entgegen. Wir weinten. Wir drückten und küßten ihn. Ich selbst bemächtigte mich seines Armes und hängte mich an ihn.--- Und immer wieder Hochrufe.--- Alles lief durch- einander.--- Wie Ameisen rannten wir hierhin und dorthin. Unsere Freude zwang uns, etwas zu fun, was der Verstand nicht verstand. Ein Freudentaumel hatte eingesetzt. Stimmengeschwirre.--- Schreie.--- Hysterische Klagen und viele Tränen.

It was a long way, but jou are comming. So schallte es dem jungen Offi- zier von allen Seiten entgegen.

Wir waren befreit.--- Wir lachten, scherzten, jauchzten, umarmten und küßten uns,--- und fragten doch immer wieder. Ist es denn möglich?--- Ist es nicht nur ein Traum?--- Ist es gar eine

neue Meihode der SS. -Banditen, uns aufjauchzen und dann töten zu lassen?

Der Jubel kannte keine Grenzen.

Freude und Schmerz beherrschten uns.

Der junge Offizier hatte das Lager besichtigt. Wieder stand er am Tor. Doch,--- jetzt lächelte er nicht mehr, Schmerzerfüllt war sein Gesicht,

Jetzt stand er am Tor zwischen hohen amerikanischen Offizieren sowie Presse- und Filmleuten, die noch eingetroffen waren.

Er sprach.--- Wir verstanden nichfs.--- Aber wir merkten es ihm an, wie

sehr er vom Abscheu geschüttelt wurde von dem, was er in unserem Lager gesehen hatte.

Besichtigung der Hölle von Buchenwald

Die grauen Uniformen der SS., die Mützen mit den Totenköpfen waren verschwunden. Der Traum einesTausendjährigen Reiches war vorbei, für immer vorbei.

Freundlich lächelnde Menschen standen vor uns, offen sahen uns ihre Au-

‚gen an. Wir brauchten uns nicht mehr zu fürchten vor den grausamen Blicken

der SS. -Bestien. Schmucke grüne Uniformen belebten das Lager. Unerkannt wandelte unter ihnen der siegreiche General Patton , der Befehlshaber der 3. USA. -Panzerarmee. Die Generäle und anderen Offiziere besichtigten dann das Lager, um sich mit eigenen Augen von den Greueln der SS. -Bestien zu überzeugen, um zu erkennen, was die SS. -Bestien freiwillig oder auf Befehl derherrschenden Männer in Berlin vollführt hatten.

171