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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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uns der allen Menschen unsichtbare Allmächtige und unter uns die schwarze Erde, die Kohlengrube, in welcher Tausende von Kameraden ihren Tod gefunden hatten. Ernst marschierten wir zu den Toren hinaus. Mit uns gingen 250 Kinder ungarischer und polnischer Nationalität im Alter von 10 bis 16 Jahren, die in den Kohlengruben hatten arbeiten müssen. Diese gehörten zu den Kindern, die an den Gaskammern von Auschwitz vorüber gegangen waren, deren Eltern aber den Tyrannen ihr Leben opfern mußten.

Der Marsch begann. Alles war unklar. Keiner wußte, wie weit der Marsch gehen, oder wie lange er dauern würde. Wir bissen die Zähne zusammen. Alle Augenblicke schauten wir uns um, ob wir nicht schon die Spitzen der russischen Armee erblicken könnten. Die Lageruhr verkündete die sechste Stunde. Verlassen lagen alle Wachttürme da. Zurück blieben nur die Kran­ken und unsere Gedanken waren bei ihnen. Unsere Kolonne streckte sich zwei Kilometer lang dahin. Zwei Kilometer lang marschierten Menschen in blauweißgestreiften Anzügen, verjagt von der Heimat, ohne Recht, dem Untergang oder der Verzweiflung entgegen. Um uns herum rannten die SS. - Bestien mit ihren Bluthunden. Stundenlang mußten wir marschieren. Eisig fegte der Wind über die Landstraßen Polens , über die Straßen des Sieges", wie sie einst Hitler nannte. Wir froren in unseren dünnen Anzügen, aber lautlos marschierten wir. Nur die Peitschenknalle der Be­wachung pfiffen durch die Nacht. In den Gräben zu beiden Seiten der Straße lagen Häftlingsleichen auf dem weißen Schnee. Blut sickerte in die Erde und zeigte rote Rinnsale an. Erschütternd war der Anblick in dieser hellen Mondnacht. Während wir diesen Eindruck noch in uns aufnahmen, klangen am Ende der Kolonne Gewehrschüsse, dazwischen MG.- Salven. Wir wurden schneller nach vorn getrieben. Und dann hörten wir, daß die SS. in die Reihen der marschierenden Häftlinge geschossen hatte. Wir hatten einen Augenblick gedacht, die Russen seien uns schon so nah. Wenn wir wenige Stunden uns in der freudigen Hoffnung befunden hatten, bald be­freit zu werden, so waren wir jetzt wieder völlig apathisch geworden. Es war zu schwer für uns, aus unseren Gedanken gerissen zu sein, da nun die Wirklichkeit ganz anders aussah als unsere Träume.

Dreißig Kilometer waren wir bereits marschiert. Aus den Gesprächen der SS. - Bestien vernahmen wir, daß einmal Halt gemacht werden solle. Nach wenigen Minuten, wir befanden uns auf freier Landstraße, kein schützender Wald war weit und breit zu sehen, jagte man uns plötzlich auf ein Signal des Truppführers auf eine große Wiese in einem engen Raum zusammen. Fünfzig Zentimeter lag der Schnee dort hoch. Wie eine Schafherde waren wir zusammengetrieben. Einen Augenblick glaubten wir, wir sollten alle erschossen werden, denn die SS. - Bestien hatten ihre Gewehrläufe auf uns gerichtet. Als dann aber der Befehl ertönte" Hinlegen", stürzten sich die SS. - Banditen mit Gummiknüppeln auf uns und schlugen bestialisch auf uns ein. Immer enger trieb man uns zusammen, wir konnten weder stehen noch sitzen. Das Schreien der Häftlinge war entsetzlich. Als die Hilferufe und das Schreien kein Ende nehmen wollten, feuerte die SS. mit MG. wahllos in die zusammengeballte Masse hinein. Auch durch meinen Mantel war ein Schuß gegangen.

Es war eine Blutnacht, die sich die SS. geleistet hatte. Lebende, Halbtote und Tote lagen durch- und übereinander. Ganz plötzlich setzte ein orkan­artiger Schneesturm ein, der uns fast mit Schnee bedeckte. Die SS. hatte sich während dieser Zeit in ein sicheres Versteck begeben und bewachte uns von weitem. Wir hatten uns mit unseren Mänteln zugedeckt, aber auch diese bildeten nur ungenügenden Schutz gegen die furchtbare Kälte. Wir

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