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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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müssen, monatelang hatten wir weder Strümpfe noch Schuhe erhalten. Jetzt wurde alles ausgegeben. Eine volle Stunde warfen wir den ganzen Bestand des Magazins zum Fenster hinaus. Jeder nahm sich, was er brauchte. Aber mehr wie zwei Hemden und zwei Anzüge konnten wir nicht anziehen.

Seife, die uns immer vorenthalten war, davon mußten wir 50 Kisten mit je 2000 Stück zurücklassen. Inzwischen waren nahezu drei Stunden ver­gangen. Dann wurde der Befehl erteilt, die Ausgabe der Bekleidung sei sofort einzustellen, die Russen rückten immer schneller heran. Sollten wir weinen, sollten wir uns freuen?

Da erblickten wir mit einem Male lange Kolonnen von Häftlingen. Sie kamen aus dem Hauptlager Auschwitz . Mit zerrissenen Kleidern und zer­rissenen Schuhen, in ihren dünnen blauweißgestreiften Häfflingsanzügen zogen sie an unserem Lager vorüber. Viel Männer, aber auch alte Frauen und junge Mädchen dazwischen. Sie riefen uns zu und fragten:" Wo seid Ihr her?"- Für diese Fragen erhielten sie Schläge von den SS.- Bestien. Wir antworteten: Kopf hoch!"-- Ganz plötzlich erfönten die Worte in mir noch einmal wieder. Nebelhaft stand meine Mutter vor mir:" Kopf hoch, Rolf!" hörte ich eine leise Stimme.

Ungefähr 500 junge Mädchen zogen auch vorbei. Wir winkten und riefen in allen Sprachen. Aber wir erhielten keine Antwort. Dann fragte ein kleiner Ungar. Und sofort erschallte es zurück:" Aus Ungarn ". Sie waren seit vier bis fünf Monaten in Auschwitz . ,, Wo sind die anderen Frauen?", fragten wir. Sie wiesen zum Himmel.

Wir erhielten den Befehl, uns dem Zuge anzuschließen. Im ersten Augenblick brach eine Panik aus.

Schnell wurden die vorhandenen Ehvorräte ausgeteilt. Jeder Häftling er­hielt 1 kg Brot, 500 gr Margarine, 250 gr Wurst und 32 Stück Zucker. Der Marsch, den wir vorhatten, sollte 12 Tage dauern.

Die Kranken mußten zurückbleiben. Wir verabschiedeten uns von ihnen. Sie hatten mit uns gelitten und bis jetzt mit uns durchgehalten. Sollten sie jetzt noch mit uns ermordet werden? Während wir der Befreiung entgegen gingen?

Todesmarsch

18.1.1945

Der Himmel war sternenklar, die Nacht war kalt und hoher Neuschnee war gefallen. Das Lager lag still neben dem Dorf Jawischowitz. Auf den Straßen regte sich nichts. Nach stundenlangem Kommandobrüllen und den durch den Schnee knirschenden Schritten von Tausenden von Menschen ist alles still geworden, als wäre fiefster Friede.

Da ertönte plötzlich tiefes Gebrumm von Flugzeugen. Dieses erinnerte uns daran, daß ja Krieg sei. Die Stille war durchbrochen, alle Hoffnungen auf eine Befreiung waren zerschlagen. Was würden uns die nächsten Stun­den bringen? Die Flugzeuge brummten. Würden die Russen eher da sein, als unser Abmarsch begann, oder sollten wir weiter in eine neue Station der Tyrannei verfrachtet werden?

Die Minute der Entscheidung war gekommen. Die Lagerfore öffneten sich. Ca. 2500 Kameraden traten den Marsch in den Tod oder in die Freiheit an. Vor uns marschierten die schwer bewaffneten SS.- Banditen, und hinter uns und über uns dröhnten die Flugzeugmotoren der siegreichen Rofen Armee. Ueber

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