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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Transportbändern und Werkzeugen zu verüben. Oftmals zerschlugen wir mit Hämmern die Zahnräder, oder wir versteckten die Nähmaschinen.

So wurden jetzt täglich nur 100 Tonnen Kohle gefördert. Wir setzten eben alles aufs Spiel, weil wir in wenigen Tagen auf unsere Befreiung rechneten. Es war am 17. Januar 1945, als wir mittags um vier Uhr wieder in die Grube einfuhren, um bis zum andern Morgen um sechs Uhr zu schaffen. Mit Mühe hatten wir uns durch hohen Schnee den Weg nach der Grube ge­bahnt. Frischer Neuschnee.-- Herrlich war die Winterlandschaft. Jetzt hatten wir wieder Sinn dafür. Friedlich und still lag alles in tiefem Schlaf. Auf dem Wege dorthin aber trafen wir eine ganze Anzahl mit schweren Koffern bepackte Menschen, die, trotz ihres vielen Gepäcks, eilig zum Bahn­hof gingen. Nervös war ihr Benehmen. Ihre Augen glühten von Aufregung. Auch einige ganz bekannte Gesichter tauchten auf. Einige der Gewaltigen" aus der Grube. Sie glaubten, sich ihrem Schicksal durch die Flucht entziehen zu können. Sie waren" furchtlos" gegen waffenlose, entkräftete und kranke Menschen, jetzt aber, jetzt aber, wo der Feind heranrückte, der sie mit Waffen züchtigen würde, der nicht wehrlos" war, da bekamen sie es mit der Angst zu tun, da flohen sie, trotz Revolver, MG.- Pistolen und anderen Waffen.

Jetzt flohen sie, die Herren der Welf!

Die Grube war erreicht. In Sekundenschnelle fuhren wir auf Sohle 430 Meter hinab. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir unten eintrafen und keinen deutschen Steiger oder Kontrollbeamten mehr vorfanden. Die pol­nischen Zivilisten und wir wenigen Häftlinge waren Herren der Grube. Jetzt wollten wir für die Alliierten arbeiten. Mit großer Freude gingen wir ans Werk, um unseren Befreiern zu helfen. Mit unseren abgemagerten und Wir wollten es. schwachen Körpern wollten wir arbeiten und arbeiten. Aber es war unmöglich.-- Alle Wagen waren fort. Nichts stand uns mehr zur Verfügung.

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So setzten wir uns denn hin und plauderten. Es waren zunächst nur all­Werden die Russen bald hier gemeine Fragen:" Was wird werden? sein?"-- Unsere Herzen wurden immer bewegter. Wir sprachen freudig und erregt. Wir lebten ja! Wir sprachen von der Zukunft.-- Zukunft?-- Zukunft? Da wurden wir still. Wir wußten ja nichts, es war alles so un­klar und unbestimmt. Doch nach einer Weile waren wir wieder mitten im Durcheinandergespräch. Einer von uns hatte begonnen: Und was haben wir nicht alles erlebt!"

Da fiel diesem jenes, und jenem dieses ein, da fiel uns alles wieder ein. Im Gedankenwirbel erlebten wir die zurückliegenden Jahre noch ein­mal. Alles Leid und alle Qualen.

Als wir vor 30 Monaten zum ersten Male in die Grube fuhren, waren wir 150 Leidensgenossen. Davon waren nur noch acht übrig geblieben. Namen klangen wieder. Wir erzählten von den vergangenen Tagen und von dem Ergehen der einzelnen.

Wie oft hatten wir die Zähne zusammenbeißen müssen, wie off wollten wir verzagen,- wie off waren wir im Begriff gewesen, in den Draht zu laufen, in den Tod. - Wie oft, wie off! Die ganze Schicht verbrachten wir so mit Plaudern.

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Als wir zur vorgesehenen Zeit den Rückweg zum Schacht antraten, fiel uns wieder das Ungewöhnliche unserer Lage auf. Es ging alles in Ruhe vor sich. Es schlug uns kein deutscher Steiger ins Gesicht, niemand rannte wie irr neben uns her. Wir waren die letzte Schichtablösung. Weder Zivilisten noch Häftlinge fuhren mehr ein. Wir überlegten, ob es ratsam sei, uns zu

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