Druckschrift 
Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
Seite
129
Einzelbild herunterladen

dab war seit Ge- diten

kom-

klich

nden

Ge- ıban- Zeu-

ı uns die , Wir ıben, ı von

| ge- cken,

'enen doch doch

e, da 1"-- wohl r wir Wer >walt. zyni- amen iuern.

:nnen War n die Ge

»hlen, h das Häft- vurde n an, . Wir 1etzte

man auf uns. Und ich habe gesehen, wie diese Bluthunde Häftlinge in Stücke rissen.

Untersuchungen fanden am laufenden Band statt. Ein Transport folgte dem anderen. Das Hauptlager wurde mit abgemagerten und halbtodge- schlagenen Häftlingen gespeist. Dort herrschte Hochbetrieb. Die Zeugen der grausamsten Behandlung, die jemals Menschen erlitten hatten, mußten ver- nichteft werden. Das große Schweigen sollte erzielt werden. Die Sprache wurde getötet, die Ankläger. Dicke, schwarze Rauchwolken stiegen aus den hohen Schornsteinen noch weiter zum Himmel empor. Die weiße Land- schaft wurde mit Ruß bedeckt.

Eine Sonderverfügung erging an alle Capos. Jeder Capo erhielt den Befehl, aus seinem Kommando täglich Juden zu töten. Es sollte ständiger Ersatz folgen. Die SS. -Banditen begannen, den Capos das Morden zu über- tragen. Wegen Nichtbefolgung des erteilten Befehls, es wurden nach unserer Erfahrung von den Capos täglich 10 Prozent der geforderten Toten beige- bracht, wurden die Capos mit 25 festen Hieben bestraft. Die weitere Folge dieser Anordnung war, dak man ganze Kommandos von Juden in die Gas- kammern trieb.

Entsetzliche Szenen spielten sich ab. Einige Häftlinge versuchten, vor den Gaskammern zu entfliehen. Vergeblich.-- Die SS. -Banditen feuerten MG.- Salven dazwischen, und alles war im Nu vorbei.

Welche Freude aber herrschte mit einem Male im Hauptlager und allen Nebenlagern, als bekannt wurde, die Gaskammern und die Verbrennungs- anstalten sollten niedergerissen werden. Uns war plötzlich so leicht, so froh ums Herz.-- Das schreckliche, seit Jahren auf uns lastende Gefühl des Ver- gastwerdens, es sollte uns genommen werden?! Eine Gefahr sollte be- endet sein?!

Neue Hoffnung erfaßte uns.

Im Hauptlager und den Nebenlagern waren noch 40000 Menschen vor- handen. Ohne Gaskammern konnte diese Anzahl Menschen nicht so schnell getötet werden.-- Vielleicht,-- vielleicht,-- blieben wir am Leben!

Aber warum vernichtete man die Gaskammern? War das der Sieges- glaube? Hegte man Angst und Furcht? Wollte man Beweise vernichten? Welch törichte Gedanken, die Beweise lebten in uns. Blieben wir am Leben, dann wollten wir schon bezeugen. Wir brauchten nicht zu lügen!

Oder hatte man sich wirklich damit abgefunden, daß das tausendjährige Reich nach zwölf schrecklichen Jahren beendet sei?

Die SS. -Führer-Bestien waren nervös geworden. Ihr Gewissen war ge- weckt. Sie ahnten Schreckliches. Mit kummervollen Gesichtern schaufen sie auf die von ihnen errichteten grausamsten Folterkammern, die jetzt wieder vernichtet wurden.: i

Wir traten erneut den Marsch nach der Grube an. Aber unsere Schritte waren leichter. Die Polen unterrichteten uns jetzt von dem Vormarsch der Russen. Und es lebte in uns der feste Glaube, dieser Vormarsch würde nicht mehr gestoppt werden können, denn warum vernichteten die Nazi- Bestien die Beweise ihrer Greueltaten, wenn nicht darum, um alles zu ver- nichten,-- aus Furcht vor der Vergeltung?

Wir mußten Kohle fördern und wir förderten sie, wenn auch keine Wag- gons zum Abfransport zu Verfügung standen. Wir arbeiteten gern und viel, um uns nicht zu verraten. Die Kohle wurde bergehoch aufgeschüttet. Jetzt begann ein neuer Kampf. Es ging nicht mehr um die Kohle. Die Kohle förderten wir, weil wir arbeiten mußten. Jetzt waren wir abwechselnd jedoch unentwegt dabei, Zerstörungen am Kabel, an den Leuchtsignalen, Motoren,

9 129