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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Im Winter konnten wir Sprudel, Mottenpulver und Fliegenfänger, und im Sommer Hühneraugenpflaster und Fußpuder kaufen. Weil auch ich meinen Kameraden versprochen hatte, daß sie für die Prämienscheine Ehwaren be­kämen, protestierte ich einmal gegen die Handhabung der Prämienausgabe, denn ich wollte mein Gewissen nicht mit diesem Schwindel belasten.-- Und was antwortete man mir?

Damit haben Sie nichts zu tun, und wenn Sie etwas damit zu tun haben wollen, dann gibt es in Auschwitz genügend Häftlinge, die Steiger werden möchten." Man setzte uns einen neuen Kontrollbeamten in der Gestalt eines SS.- Unterscharführers vor, und dieser sorgte pünktlich dafür, daß die Förderungen normal beendet wurden.

Rif einmal das Laufband so trug ich für alle Folgen die Verantwortung. Ich erhielt als Begleitmusik von dem SS. - Mann und von dem deutschen Steiger, der natürlich nicht untätig dabeistehen wollte, Schläge, denn, ob­wohl ich Steiger war, so war ich doch in den Augen des SS. - Mannes und des deutschen Steigers, immer nur ein Sklave der Arbeit.

In 16 stündiger Arbeit, mit knapp zwei Stunden Schlaf, mit einfacher Ver­pflegung mußten wir 1500 Tonnen Kohle pro Schicht fördern, und während, vor und nach dieser Arbeit, gab es immer wieder Schläge. Trotz allem aber brannte in unseren Herzen der unentwegte Wille zum Durchhalten und zum Glauben an den Untergang des Naziregimes.

Es war im Dezember des Jahres 1944. Die Reviere wurden nach wie vor ausgeraubt. Wenn auch noch genug Kohle zum Abbau in der Erde war, so machten sich jetzt doch die Spuren des Krieges, die Spuren der zurück­gelegten Front bemerkbar. Stundenlang konnten wir jetzt in der Grube sitzen, weil die Laufbänder still lagen. Diese aber lagen nur darum still, weil über Tage kaum noch Waggons zum Abtransport der Kohle vorhan­den waren. So hatte sich vieles geändert. Noch vor kurzer Zeit tobte der Fahrsteiger wie ein Irrer, wenn ein Stück Kohle vom Laufband herunterfiel, jetzt aber konnten die Schichten Stunden, ja zu unserer Freude sogar tage­lang sitzen, ohne Kohle zu fördern.

Als Grund für diesen eigenartigen Dienstbetrieb erklärte man uns, es seien Verkehrsschwierigkeiten eingetreten. Sobald diese behoben wären, müßte verstärkt weitergeschafft werden. Wir aber hatten andere Glocken läuten gehört, lächelten darum ganz verstohlen nur nach innen und hofften auf den Tag, der uns von dieser Sklavenarbeit befreien würde.

Die Grube gehörte jetzt den Häftlingen, denn 90 Prozent der Zivilisten waren zu Schanzarbeiten geprekt worden, um den Vormarsch der Roten Armee aufzuhalten. Es lag etwas in der Luft. Die Zeit hatte sich gewaltig geändert. Die deutschen Steiger haften aufgehört zu schlagen. Dafür setzte allerdings die SS. ihre Arbeit verstärkt fort. Die Polen trugen ein leises Lächeln zur Schau, das erste Mal seit fünf Jahren. Wenn zwei Polen anein­ander vorüber gingen, dann sahen sie sich voll in die Augen und sagfen " Gut", natürlich in polnisch. Auch die Zivilisten waren ganz anders gegen uns, mit einem Male, ganz plötzlich, nicht nur, daß sie uns ein freundliches Lächeln zeigten, nein, sie gaben uns jetzt auch Brot und sonstige Lebens­mittel, von denen sie abgeben konnten.

Sie faten dieses, ohne Angst zu zeigen, dabei erwischt zu werden. Ich traf einmal einen alten polnischen Steiger, mit dem ich mich schon hin und wieder über Politik unterhalten hatte. Ich fragte ihn:" Was gibt es Neues?" " Gut, gut", antwortete er, wobei ihm die Tränen die Wangen herunter­liefen, Russki Offensiva!"- Und dann ging er weiter. Auch ich mußte meine Freude verbergen, denn die SS. - Kontrolle stand hinter mir. In weni­

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