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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Einmal in der Woche holte uns der Lagerführer persönlich ab. Das be­deutete Alarm, denn er kam doch nicht aus Fürsorge für uns, sondern nur, um uns zu quälen. Wir sollten dann im Gleichschritt marschieren. Es hieß " Marsch!"-- Bei diesem Wort aber traten uns die SS. - Bestien auf die Hacken. Wir gerieten ins Stolpern. Wir hatten also den Befehl absichtlich sabotiert", dafür aber mußten" wir bestraft werden. Also verdiente Schläge.-- Dann hieß es" Singen". Wir sangen. Aber einmal nicht laut genug, ein­mal nicht schön, einmal nicht alle zugleich.-- Also, mußten wir es lernen. Unter den Reitpeitschen der SS. - Bestien sangen wir dann nach unseren Be­griffen von Musik und Melodik garnicht schön, aber für die SS. sangen wir wenigstens einheitlich und laut. Manche Häftlinge schrien sogar.

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Waren wir endlich auf dem Appellplatz angekommen, dann wurde ,, Sport " getrieben. Der Herr Lagerführer, die Zigarette im Mund, sah dem herr­lichen Spiele", so nannte er es, zu und erteilte die Kommandos zum Beginn. Erst wurde der Laufschrift geübt, unterbrochen von Hinlegen" und" Auf­stehen", dann kam Knie beugt" daran, damit wir geschmeidig wurden. Und dazwischen wurden ununterbrochen Köpfe, Beine und Arme massiert". Zum Schluß mußten wir rollen". Hierbei traten die Füße der SS. in Ge­meinschaftsarbeit in Erscheinung. Dazwischen erscholl ein schriller Pfiff. In Sekundengeschwindigkeit standen wir in Zehner- Reihen" angetreten. Blutüberströmt, schwitzend, zitternd. Ein SS.- Held trat vor und meldete dem Lagerführer: Strafsport ausgeführt!"-- Wir atmeten auf. Wieder einmal sollte diese Folterung beendet sein!

Aber, wir mußten zumindest alle vierzehn Tage damit rechnen,-- wie erschraken wir, wenn der Lagerführer noch einmal den Mund öffnete und sagte: Weitermachen!-- Bis sie verrecken, die Hunde!"

Qualen über Qualen.-- Und es sollte doch nur Fürsorge sein. Man liebte uns doch. Man fat alles zu unserem Besten!

An andern, Tagen exerzierte" man mit uns im Bade. Und im Anschluß daran ging es bei zwanzig Grad Kälte nackt auf den Appellplatz hinaus. Weil die Ernährungslage immer noch schlechter wurde, verkauften" die Häftlinge ihre Hemden in der Grube gegen Brot. Das SS. - Küchenpersonal des Lagers gab uns Wurst und Margarine, um diese gegen Schnaps in der Grube einzutauschen. Selbstverständlich frank das Küchenpersonal den Schnaps ohne uns und zog auch Wurst und Margarine von unseren Ra­tionen ab.

Nachdem diese Tauschereien einen ziemlichen Umfang angenommen hatten, fanden überraschend Kontrollen statt. Beim Einmarsch ins Lager" ertönte dann ganz plötzlich der Ruf:" Hände hoch!"- Wir erhoben die Hände, und nun war es niemand mehr möglich, etwas wegzuwerfen. Häufig mußten wir bei diesen unverhofften Kontrollen die Kleider ausziehen. Jedes Kleidungsstück wurde dann einzeln untersucht.

Gefunden wurde immer etwas. Und war es auch nur ein wenig Salz. Folge: Leichter Sport!

Einmal waren alle Schichten kontrolliert. Bei mir hatte man 10 Tabletten Sacharin gefunden. Am darauffolgenden Sonntag erhielten wir 40 Opfer je einen Zettel mit folgendem Inhalt: Häftling Nr....! Sie haben sich heute morgen um neun Uhr, frisch rasiert und sauber angezogen, zwecks Empfang einer Prügelstrafe auf der Häftlingsschreibstube einzufinden!"

Der neue Lagerführer, ein bekannter SS.- Bandit und roher Schläger, der seine Spezialkenntnisse bereits in den Lagern Dachau und Sachsenhausen bewiesen hatte, leitete die Aktion persönlich. Remmele, hieß diese Bestie,

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