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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Es war in der Zeit, als das Korn reif auf den Feldern stand. Wir mar­schierten" heim. Wir hatten die Schicht gewechselt Es war dunkel. Wir mußten unsere Schuhe als Strafe für eine Schuhverwechslung auf den Schul­tern tragen. Wir gingen an den Kornfeldern vorbei.-- Plötzlich sprang ein russischer Häftling aus seiner Reihe heraus, warf dem seitwärts vor ihm gehenden SS.- Posten die Schuhe ins Kreuz und verschwand im hohen Korn. Der Posten ihm nach.-- Wir warfen uns zur Erde. Es begann eine wilde Schießerei in das Getreidefeld hinein. Leuchtspurkugeln stiegen auf. Sie sollten den anderen marschierenden" Kolonnen Kenntnis von der Flucht eines Häftlings geben. Gleich darauf setzte das Feuer von allen Seiten ein. Durch das Hin und Her verirrt, sprang der Russe an der anderen Seite des Kornfeldes heraus und rannte einer zum Schacht" marschierenden Kolonne entgegen. Nach wenigen Augenblicken war der Russe eingefangen.

Unterdessen hatten wir ganz unbemerkt unsere Reihen verschoben. Wir lagen noch am Boden. Wir waren mäuschenstill. Der durch die Schießerei herbeigeeilte Lagerführer befahl die Erschießung beider Außenreihen. Dar­unter war auch ich.

Im Lager angekommen, wurden wir herausgezogen und an die Wand einer Baracke gestellt. Man fragte noch einmal, wer den Russen aus seinem Arm gelassen hätte. Niemand antwortete. Da erhoben die SS. - Schützen ihre Gewehre und richteten die Läufe auf uns.

Es folgte ein Schuß in die Luft. Wir sollten weich" gemacht werden. Es erfolgte neue Befragung.-- Eine Antwort kam nicht. Alles blieb stumm. Da trat der Russe vor und bat, man möge ihn erschießen, man möge uns schonen. Er war gerührt von unserem Verhalten. Dat lieber zehn Unschul­dige in den Tod gehen wollten, als einen Kameraden zu verraten.

Der Lagerführer nahm den Befehl zum Erschießen" zurück. Dafür erhielt jeder Außenmann fünf Peitschenhiebe auf den Hintern.

Dem Russen aber wurde auf Brust, Rücken und Hose ein Kreis genäht. Dieser Kreis bedeutete Fluchtgefahr". Er wurde ins Hauptlager ge­schickt. Sein Leben war beendet.

Es gab ja genügend Menschen.

Versprechungen und ihre Auswirkungen

Der Krieg ging langsam" weiter. Von großen Erfolgen der Nazis ver­spürten wir nichts mehr. Die Zivilisten ließen hin und wieder verstohlen und geheimnisvoll durchblicken,-- es ginge rückwärts". War das gut für uns, oder schlecht? Bald waren wir uns auch darüber klar. Wenn die Nazis zurück" gingen, dann mußte der Krieg schnell" beendet sein, sonst waren wir verloren, sonst würde kein Häftling mehr am Leben blei­ben, denn-- ehe die Nazis uns zurück ließen, eher würden sie uns alle vergasen.

Ja, der Krieg ging langsam weiter.

Die Zeit aber verlief viel zu schnell.

Die Zahl der Häftlingsgrubenarbeiter war wesentlich geringer geworden. Viele waren getötet, andere hatten sich selbst gemordet, sie waren des Lebens müde geworden.

Als

Zivilarbeiter" waren wir eingestellt und von den anderen Häft­lingen abgesondert.-- Als Zivilarbeiter".

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