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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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legen, bewacht von einem Posten. Er war festgehalten, weil er sich nicht verständigen konnte, und auf die Frage, was er zu so später Stunde auf der Straße zu tun hätte, nichts zu sagen wußte.

Ich nahm ihn mit zurück, denn auch er kam ja für den ersten Transport nicht in Frage.

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Gurs in Panik

Verständlicherweise war mein Kollege sehr beunruhigt, weil er am Abend zuvor nicht ins Lager gekommen war. Er begann, in der Nacht zu phanta­sieren, wodurch auch ich nicht zum Schlafen kam. In aller Frühe des nächsten Morgens ging ich darum noch einmal ins Lager. Die Straßenkontrollen er­kannten mich noch und ließen mich ungehindert passieren. Ganz zufällig traf ich auch den Mann, der mir lange Monate für meine Rauchwaren Lebens­mittel verschafft hatte. Die Mitteilungen, die ich in der früheren Zeit von diesem Mann erhalten hatte, hatten sich alle als richtig herausgestellt. So hatte ich auch keinen Anlaß, an der Mitteilung zu zweifeln, die er mir an diesem Morgen vertraulich zuflüsterte und die lautete: Sie kommen nach Polen !"

Selbstverständlich war mir diese Mitteilung unter dem Siegel der Ver­schwiegenheit gemacht worden. Der zweite Transport sollte am nächsten Tag gegen Abend abgehen. Es wird den Lesern verständlich erscheinen, wenn ich nach allen Erfahrungen, die die Juden in Polen gemacht hatten, von dem Wort Polen " wie vom Blitz getroffen war. Er beriet mich noch freundschaftlich und warnte mich, nicht zu fliehen. Es sei ein Befehl von Berlin gekommen, alle Lager zu räumen und auch die im unbesetzten Ge­biet Frankreichs befindlichen Juden abzutransportieren.

Die Bäume an der Straße waren mit einem Male verschwunden. Die Wie­sen und Gärten waren nicht mehr da. Alles erschien mir öde und grau. In Sekundengeschwindigkeit erlebte ich noch einmal meine Zeit im Konzen­ trationslager Dachau . Ich sah vor mir die gemarterten und getöteten Men­schen. Und ich war mir klar darüber, daß, wenn wir nach Polen kämen, es nur noch schlimmer werden müsse.

Ich weiß heute nicht mehr, wie ich an diesem Tage ins Lager und in die Baracke meiner Mutter gekommen bin. Ich war eben ganz plötzlich da und es war mir, als sei ich eben aus dem Schlafe erwacht. Wie überrascht stand ich vor meiner Mutter. Sie fragte mich:" Rolf, was machst Du für ein böses Gesicht?" Ich vermochte nicht gleich, ihr darauf eine Antwort zu geben. Erst nach einigen Minuten, in welchen mich meine Mutter mehrmals ange­stoßen und gefragt hatte: Rolf, was ist denn mir Dir? Rolf, wo bist Du denn?", konnte ich leise flüsternd antworten: Polen ".

Kaum hatte meine Mutter dieses Wort vernommen, da schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen und sprach, mit Tränen in den Augen: Dann sind wir verloren". Eine Weile standen wir uns stumm gegenüber. Dann begann meine Mutter erneut: Wenn wir nach Polen kommen, dann kom­men wir doch nur in Ghettos. Anderes habe ich noch nicht gehört. Aber glaubst Du denn wirklich, Rolf, daß man uns alle töten will? Ich kann es mir nicht denken."

Wieder herrschte eine Weile tiefe Stille. Meine Mutter streichelte wäh­rend dieser Zeit über meine Haare und klatschte leise auf meine Hände.

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