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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Großmutter wurden auch von dieser Hilfsorganisation befreut. Wir waren alle darüber sehr erfreut. Und wenn diese Zulagen auch nicht ausreichten, den Hunger ganz zu stillen, so ward doch unsere Seele gestillt. Wir fühl­fen uns nicht mehr ganz verlassen. Wir erkannten, daß die Welt da draußen von unserer Unschuld überzeugt war, zumindest von der Unschuld der Masse. Wenn Einzelne von uns mitschuldig geworden sein sollten an aller Not, an allem Elend der Zeit, so stand es uns nicht zu, darüber zu richten. ,, Alle und aller Schuld rächt sich auf Erden". Was man uns Unschuldigen getan hatte, das multe sich rächen.-- Einmal bestimmt.-- Aber wann?

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Selbsthilfe

Das ständige Herumsitzen und die immer wiederkehrenden Gedanken an die Zukunft waren zwecklos. Sie schufen nur Unfrieden. Die Ruhe und die Langeweile machten uns nervös. Aus diesem Grunde versuchte ein jeder von uns, zu einer Beschäftigung zu kommen. Es war einfach unmög­lich, den lieben langen Tag in einer dunklen Baracke zu sitzen und zu grübeln. Ein Teil der Lagerinsassen schrieb Briefe. Das aber konnte nur bei geöffneter Tür geschehen. Draußen jedoch war es kalt. Also opponierten wir. Was tun? Die Antwort kam ganz von selbst. Eines Tages erhielt ein Bekannter ein Paket. Darin befanden sich Nudeln, die aber noch einmal in Zellophanpapier eingeschlagen waren. Ich ließ mir dieses Papier geben und versuchte nun, indem ich entsprechend der Größe des Papiers Holz­teile aus den Wänden entfernte, ein Fenster zu machen.

Das war mir nach kurzer und geringer Mühe gelungen, und es herrschte in der Baracke große Freude darüber. Dieser Erfolg trieb mich an, weitere Fenster zu bauen. Ich veschaffte mir das notwendige Werkzeug und hatte inzwischen auch Drahtglas besorgt. So konnte ich doch die Insassen meh­rerer Baracken beglücken und fröhlich machen. Die Frauenbaracke hatte ich als erste damit versehen. Für meine Arbeit erhielt ich Geld, und was noch wichtiger war, auch Essen. In der Folge hatte ich aus leerstehenden Baracken Holz organisiert und nun auch Tische und Stühle angefertigt. Man mußte sich zu helfen wissen. Mit diesen Arbeiten waren meine Tagesstun­den voll und ganz ausgefüllt, und ich hatte nicht mehr Zeit für trübe Ge­danken, die mich sonst während der Langeweile stets gequält hatten.

Nach und nach wurde ich im Lager bekannt. Als die Baracken mit Fen­stern versehen waren, die Tischlerkonkurrenz auch zu groß wurde, begann ich aus Konservendosen kleine Oefen zu fertigen, kleine Miniaturöfen. Sie reichten aus, um ein wenig Kaffee oder Suppe warm zu machen. Diese Kocherei war allerdings nicht ganz mühelos, denn das zu verwendende Holz mußte winzig klein gespalten werden. Meiner Mutter und einigen an­deren Leidensgenossen hatte ich solch einen Ofen aus einer 5- kg- Dose angefertigt. Sie waren also wesentlich größer als die anderen Oefen. Die Freude meiner Mutter war groß. Ferner hatte ich mit der Herstellung von Kaffeesieben, Reibeisen, und noch einigen anderen Gegenständen be­Ich war beschäftigt, und, was ich erreichen wollte, die Zeit ver­ging. Ja, jetzt verging sie mit einem Male zu schnell. Mit kalten Fingern, die ich oft kaum bewegen konnte, zimmerte ich mühselig meine Arbeiten zusammen. Und was erhielt ich dafür?-- Für das Einsetzen eines Fensters bekam ich 5 frs., gleich 25 Pfennig. Ein Kaffeesieb kostete 2 bis 3 frs. und

gonnen.-

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