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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Langsam betraf ich das Jlof" L". Es war nicht so leicht, durch den Schlamm zu waten. Aber die Freude der Erwartung ließ mich dieses Uebel gar nicht beachten. Einige Minuten später stand ich vor der Baracke 22. Vorsichtig öffnete ich die Tür. In der Baracke herrschte Halbdunkel. Es waren nur wenige Klappen geöffnet. In Mäntel gehüllt lagen die Frauen und Mädchen frierend am Boden. Das Bild erschütterte mich. Die gerettete Habe, die letz­ten Kleider hingen an der Wand. Das Ganze machte den Eindruck eines Verkaufsladens mit mehreren Abteilungen.

Schritt für Schritt ging ich links und rechts schauend meinen Weg. In der herrschenden Dämmerung war es nicht leicht, die Menschen zu erkennen. Aber dennoch, ich schaute ja nicht nur mit scharfen Augen, sondern auch mit Augen der Liebe umher. Und so hatte ich denn auch bald darauf meine Mutter entdeckt. In der Mitte der Baracke saf sie auf dem Bett der Großmutter. Ich war stehen geblieben und beobachtete sie einige Augen­blickte. Tränen liefen mir über die Wangen, als ich meine mit Liebe ver­wöhnte Mutter in dieser schwatzenden und lärmenden Menge erblickt hatte. In diesem Durcheinander. Dann aber unterdrückte ich meine Wehmut. Ich fate Mut. Nach wenigen Schritten stand ich vor meiner Mutter.

Sie rief laut: Mein Junge!" Und dann fiel sie mir um den Hals und weinte. Sie schluchzte. Ich drückte sie fest an mich und ließ sie weinen.-- Sie hatte mich gerufen. Meine Träume waren ihre Qualen. Mein Junge!" sagte sie noch einmal. Auch Großmutter freute sich. Die alten, bereits ge­brochenen Augen begannen noch einmal zu strahlen. Sie nahm meine Hände und drückte sie. Und aus dem zahnlosen Munde klangen unverständliche, leise gesprochene Worte. Bist Du da, Rolf?", fragte sie immer wieder.

Wie auf einer vom Sturm umwogten Insel safen wir drei nun auf Groß­mutters Bett und sprachen von diesem und jenem, wir sprachen von der Heimat, den guten Menschen, die trotz Naziterror immer mit uns zusammen waren, wir sprachen von der Freiheit, und wir gedachten unserer Ver­wandten, die glücklich noch vor dem Naziterror ins Ausland entkommen waren. Wir lachten, wir waren glücklich und froh. Und immer wieder schau­fen wir uns an.

Meine liebe Mutter hatte es ganz gewiß nicht leicht, alte Frauen haben viele Wünsche. Aber jetzt, nachdem sie mich wieder gefunden hatte, war ihr Humor wieder da. Ich freute mich. Es waren herrliche Stunden.

Der Abschied fiel uns schwer. Aber, es mußte sein. Ich durfte es nicht wagen, von einer Lagerstraßenkontrolle angehalten zu werden. Meine Mutter bat mich, recht bald einmal wieder zu kommen. Dann drückte sie mir noch einmal die Hände und sagte: Mein Junge, behalte Mut!" Ich konnte die Tränen nicht unterdrücken.

Dann ging ich schnell fort. Und ohne Kontrolle langte ich wieder im Jlot G" an.

Amerika und die Schweiz als Reffer

Es ist eine altbekannte Tatsache, daß sich der Mensch an alles gewöhnt. So hatten auch wir uns, wenn auch nicht leichten Herzens, mit diesem qual­vollen Leben abgefunden. Es war eben vorläufig nichts daran zu ändern. Aussicht auf Besserung bestand nicht. Ein Tag folgte dem anderen. Wir waren alle recht trüber Stimmung, wozu auch der Himmel mit seinen ständig

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