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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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An Lebensmitteln waren vorhanden: 1 Brot, etwas Butter, eine Thermos­flasche mit Kaffee und noch einige winzige andere Sachen.-- Was sollten wir auch haben?

Die Zeit war herum. Wir waren aber auch fertig. Der Gendarm, wohl eine bessere Seele unter rauher Schale, legte meiner Mutter ein Papier zur Unterschrift vor, das sie nach kurzem Durchlesen unterschrieb. Zu über­legen war ja nichts. Der Inhalt war:

Ich bescheinige hiermit, daß ich mein Wohnungsinventar zurücklasse und es in treue Obhut der jüdischen Reichsvereinigung Berlin gebe." Alsdann versiegelte der Gendarm die Tür und klebte einen Zettel daran: " Amtlich versiegelt. Beschädigung verboten. Geheime Staatspolizei."

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Es war acht Uhr geworden. Mit schweren Schritten traten wir den Weg in das Wohin?" an. Die Koffer in den Händen, 100 Mark in der Tasche,-- mehr durften wir nicht mitnehmen,-- stiegen wir die Stufen hinab. Meine Mutter stützte meine alte, leise weinende Großmutter. Auf der Straße blie­ben wir einen Augenblick stehen und warfen einen Blick zurück. Wir ver­lieben unser Heim, in welchem wir lange Jahre glücklich und in Frieden gelebt hatten. Ade, du liebes, trautes Heim!"-- Und wohin ging es nun? Auf der Straße lärmten und lachten einige Kinder. Die Erwachsenen, die aus dem Fenster geschaut hatten, waren zurückgetreten. Mit vielen der Nachbarn hatte uns aufrichtige Freundschaft verbunden.-- Sie schwiegen. Unser Herz war so schwer. Und der Himmel hing voller Sorgen.

Mutter und Großmutter gingen voraus, Ich ging hinterdrein. Wir hätten heulen, schreien mögen. Langsam folgte der Gendarm. Er nahm Rück­sicht auf das Alter meiner Großmutter.

Woher kommt uns Hilfe?", fragte ich mich." Wo sind die Freunde?"-- " Ach", kicherte dann ein Kobold in meinem Hirn, und es schmerzte mich tief, ,, in der Not-- sind alle Freunde tot!"

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Wir wurden nach einer Garage geführt. Dort waren schon viele Juden aus unserer Stadt versammelt. Männer und Frauen, Kinder und Greise. Aller Augen waren schmerzerfüllt. Wie aus Scham wagten wir nicht aufzu­schauen.-- Doch,- warum Scham?!-- Wofür?-- Weswegen?-- Nach und nach hoben sich die Blicke. Wir schaufen uns an und fragten ohne Worte immer wieder:" Wohin?-- Wohin wird es gehen?"

Gegen zwölf Uhr mittags kamen drei große Omnibusse mit je zehn Mann Bewachung.

Alles einsteigen! Wer versucht, zu entfliehen, wird erschossen!" brüllte ein alter Wachtmeister. Langsam setzten sich die Wagen in Bewegung. Nach kurzer Zeit erkannten wir, es geht in Richtung Freiburg vorwärts. Es ging durch schmale Nebenstraßen auf Umwegen, nach dem Freiburger Güter­bahnhof. Dort hielten die Wagen. Wir mußten aussteigen und uns zu den bereits versammelten Juden aus Freiburg und Umgegend gesellen. Diese bestürmten uns sofort mit Fragen nach dem" Wohin?" Doch auch wir wußten ja nichts. Wie ein dichter Schleier umgab uns das Geheimnis-- geht es nach Osten oder nach Westen?

Zunächst wurden wir in eine öde und kalte Halle geführt, in welcher einige wenige Bänke Sitzgelegenheit boten. Wir anderen legten uns auf den dünn mit Stroh belegten Steinfußboden.

Die ersten Züge rollten durch den Bahnhof. Sie waren überfüllt mit Juden aus Mannheim und Umgebung. Wir riefen hinüber:" Wohin?"-- Ein vielfältiges Achselzucken war die Antwort. Streng und ergebungsvoll starrten uns die vielen Augen an. Man sagte uns, wir müßten immer bereit sein zum Abtransport, es könne heute, morgen oder auch erst am über­

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