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Das wahre Gesicht Hitler-Deutschlands : Häftling Nr. 59 000 erzählt von dem Schicksal der 10 000 Juden aus Baden, aus der Pfalz und aus dem Saargebiet in den Höllen von Dachau, Gurs-Drancy, Auschwitz, Jawischowitz, Buchenwald / Rolf Weinstock
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Alle, die wir zu diesem Leid vereint waren, mußten off stundenlang in eisiger Kälte stehen, ohne Rücksicht auf das Alter. Arbeiter und ehemaliger Minister standen in einer Reihe, Jude und Christ. Und wir alle waren hier zusammengetrieben, weil wir Antifaschisten waren. Unter uns waren be­kannte Männer des öffentlichen Lebens, wie, um nur wenige Kategorien anzu­führen, alle Mitglieder der letzten österreichischen Regierung, ehemalige kommunistische und sozialistische Abgeordnete und der Sohn des in Sera­jewo ermordeten Thronfolgers Franz Ferdinand, Prinz von Hohenlohe.

Am interessantesten aber war, und dieses entlockte auch uns trotz un­serem großen Leid ein kleines Schmunzeln, unter uns befanden sich ferner auch einige für die deutsche Oeffentlichkeit schon längst erschossene Mitglieder der Röhmaffäre". Wir konnten nur innerlich mit wehem Herzen lächeln über allen Schwindel, über alle Lügen, die dem deutschen Volke vorgegaukelt wurden, die dem satanischen Hirn dieses größten Lügners aller Zeiten, Dr. Goebbels , entsprangen.

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Machtlos waren wir der SS. - Bagage ausgeliefert, und die Grünen", die mit dem grünen Winkel,-- Spitze nach unten--, die Berufsverbrecher, schwangen über uns die Knüppel.

Recht und Gesetze waren für uns erloschen, wir waren vogelfrei, wir waren samt und sonders der SS. und ihrer Willkür überantwortet, die mit uns machen konnte, was ihr gefiel.

Wir hatten kein Recht: zu sprechen, uns gegen unwahre Anklagen zu verteidigen, wir waren lebende Tote, fressende Leichen,- oder nur noch registrierte Nummern.

Kein Tier wird von seiner eigenen Gruppe so bestialisch behandelt, wie wir von Menschen" behandelt worden sind.-- Oder??-- Waren wir nicht Menschen, konnten wir nicht reden, denken, fühlen, sehen?-- Waren unsere Sinne nicht menschlich?

Oder waren diese SS.- Kreaturen ent menschte" Tiere?

Ein Strich im Register, im Lagerbuch,-- durch unsere Nummer,-- machte uns tot. Die Nummer war für eine neue Verwendung frei.

Vielleicht, vielleicht bekamen die Angehörigen der verstorbenen Häft­linge dann eines Tages die Nachricht ,,... Ihr Sohn ist an den Folgen einer Herzlähmung gestorben. Die Asche steht Ihnen gegen Einsendung von RM. 6.50 zur Verfügung."

Es war natürlich niemals die Asche der unglücklich Verstorbenen,-- nein, nur eine Schaufel Kohlenasche vom Schutthaufen, oder von verbrannten Leichen, deren Asche zusammengeworfen war.

Das war die SS. - Pietät!-- Oder war es ein leichter Nebenverdienst?

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Arbeit macht frei

So stand es über dem Lagertor. Und unter diesem Motto begannen für uns die Tage. Um halb fünf Uhr wurde geweckt. Alles drängte in den Wasch­wovon in jedem Block einer zur Verfügung stand.-- Schnell, schnell, denn die Capos, so wurden die Oberhäftlinge genannt, hatten nicht nur für Ruhe, sondern auch für größte Eile zu sorgen. Um uns anzuspornen, halfen sie ein wenig" oder ein bißchen mehr" mit einem Knüp­pel nach. Die Capos hatten viele Freunde".

Nachdem der Kaffee geholt und getrunken war, in aller Hast, im Stehen zumeist, begann der tägliche Kampf mit Eis und Kälte.

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