und unter den Vordersten kämpfte ihr Mann, der Vorderste. Da begann für sie eine Zeit, die manche harte Leiden auf- wog. Sie erlebte es, daß die Verleumdungen, die hageldicht auf Marx herabgeregnet, wie Spreu vor dem Winde zerstoben; daß seine Lehren, die zu unterdrücken alle reaktionären Par- teien, Feudale wie Demokraten; so ungeheure Mühe aufge- wendet, nun von den Dächern gepredigt wurden in allen zivilisierten Ländern und in allen gebildeten Sprachen. Sie erlebte es, daß die proletarische Bewegung, mit der ihr ganzes Sein verwachsen war, die alte Welt von Rußland bis Amerik in ihren Fugen erschütterte und allem Widerstand zum Trotz immer siegesgewisser vorwärtsdrang. Und eine ihrer letzten Freuden war noch der schlagende Beweis unverwüstlicher Lebenskraft, den unsere deutschen Arbeiter in den letzten Reichstagswahlen gegeben. Was eine solche Frau, mit so scharfem, kritischem Verstande, mit solch politischem Takt, mit solcher Energie und Leiden- schaft des Charakters, mit solcher Hingabe für ihre Kampf- genossen, in der Bewegung während fast vierzig Jahren ge- leistet, das hat sich nicht an die Öffentlichkeit vorgedrängt, das steht nicht in den Annalen der zeitgenössischen Presse verzeichnet. Das muß man selbst miterlebt haben. Aber das weiß ich: wenn die Frauen der Kommuneflüchtlinge ihrer noch oft gedenken werden, so werden wir anderen noch oft genug ihren kühnen und klugen Rat vermissen— kühn ohne Prahlerei, klug ohne der Ehre je etwas zu vergeben.
Faksimile: Das bisher unbekannte Schreiben an Emma Her- wegh, das die Stadtgemeinde Liestal aus dem im Jahr 1946 eingeweihten Herwegh-Archiv im Rathaus der Stadt freund- lichst zur Verfügung'stellte, stammt aus dem Beginn des Jahres 1844 in Paris . Da die Dokumente aus der Anfangszeit der Emigration von Karl Marx spärlich sind, kommt ihm schon deshalb besondere Bedeutung zu. Über„Herwegh und Marx “ vgl. die Marx -Sondernummer der ‚Internationalen Literatur“, 3. Jahrgang, 1933, Heft 2, S. 46-71. Das Billet von Jenny Marx , das hier in Verkleinerung wiedergegeben ist, trägt rückseitig die Anschrift: Frau Herwegh. Der Text lautet:
23.045 341


