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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
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FREILIGRATH Ferdinand . Geboren 1810 in Detmold . 1844, nach der Veröffentlichung seiner ersten Sammlung von Frei­heitsgedichten, mußte er Deutschland verlassen, um den dro­henden Verfolgungen zu entgehen. Nach Aufenthalt in Brüssel und in der Schweiz reiste der Dichter nach London . 1848 eilte er nach Deutschland zurück, wo er bei dem Freund Karl Marx an der ,, Neuen Rheinischen Zeitung " tätig war. Als die Revolution geschlagen war, wurde Freiligrath häufig von der Polizei belästigt, bis er 1851 der Verhaftung durch die Flucht nach England zuvorkam. 17 Jahre blieb er im Exil in London , dann kehrte er in die Heimat zurück. Er starb in Cannstatt im Jahre 1876.

S. 76: Ein Glaubensbekenntnis. Schluß des Vorworts zu dem Gedichtband mit diesem Titel, Mainz 1844, S. X.

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S. 86: Eispalast. Nach: Ça ira. Sechs Gedichte. Herisau 1846, S. 18-20. Am 18. 12. 1846 berichtete der Baron Kaisersfeld über die Verse an Metternich: ,, Es gibt sich darin ein aus­gezeichnetes Talent kund, allein ihr Inhalt ist der schauder­hafteste und verruchteste, der sich denken läßt. Es ist in ihnen nur die Rede von Revolution, Blut, Mord und Brand, und sie sind an die Proletarier gerichtet."( Kopie nach dem Original des Wiener Staatsarchivs im Historischen Seminar, Bern , Flüchtlingsschrank.) Anfang April 1850 ließ der Polizei­direktor von Köln Freiligrath ,, darüber vernehmen, ob er sich zur Autorschaft der unter dem Titel, Ça ira' erschienenen Gedichte bekenne, und ob er dieselben wirklich 1846 zu Herisau habe drucken lassen? Ferner auch: wo denn Herisau eigentlich liege? Freiligrath bemerkte vor allen Dingen, daß Herisau in der Schweiz , im Kanton Appenzell , gelegen sei, daß er es jedoch dem vigilierenden Scharfsinn der Polizei überlassen müsse, ausfindig zu machen, ob der Ort zu Appen­ zell Inner- Rhoden oder Appenzell Außer- Rhoden gehöre. Was jene Gedichte angehe, so erkenne er die Autorschaft mit Vergnügen an. Er habe sie zu Anfang 1846 in Zürich verfaßt. Er brauche wohl nicht zu erwähnen, daß das Schriftchen in den Märztagen des Jahres 1848 bereits seine vorläufige Erfüllung gefunden und durch diese seine historische Berech­tigung bestens nachgewiesen habe."( Gekürzter Bericht aus der ,, Schweizerischen National- Zeitung" vom 9. 4. 1850.)

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