1944
Vaterland
In Blut, in Tränen, Deutschland , mein Vaterland,
in Blut getaucht, in Tränen gebadet, hast du Blut, du Tränen über die Welt geworfen. Blutstarrend, tränentriefend hat sie sich dir gestellt, und näher schnürt der wogende Wall des Stahlgeschicks die schauernde Heimat schon.
O daß doch wieder aus deinem Herzen in Europas Mitte, aus der kochenden Unlust deines vom Tod durchschwankten unruhvollen Lebens der giftige Geiser des Krieges brechen mußte, nun widerflutend!
Da liegen
saubere Dörfer ganz den Rufen der Männerstimmen
an Pflug und Traktor entwendet; in den Städten die Straßen zerklotzt, verheddert, zu braunem Schutt zerworfen;
zerborsten klaffen die großen, im bleiernen
weitsichtigen Tag nun taubstumm erblindeten Maschinenhallen,
dort wenden viele Frauen kaum noch die Köpfe.
Da fallen
verzweifelnd deine jungen unwissenden Söhne,
in Waffen, die sie vom Leibe reißen wollen,
beschmutzten Waffen, ehrlos gemachten Waffen; denn ehrlos sind Waffen, die nicht Freie tragen;
und ehrlos Waffen, die nicht für Freiheit getragen
im rechten Kampfe werden, Waffen, die unterdrücken,
die rauben und knechten sollen, Waffen der Grausamkeit,
die Geiseln schlagen, Lastwaffen, Folterwaffen.
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