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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
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BRUNO SCHÖNLANK- 1943

Frühlingsnacht

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Mein Herz pocht wie ein Hammer und hält mich wach. Millionen Menschen irren ohne Brot und Dach.

Sag, wie willst du schlafen, wenn es ringsum schreit. Keine sichre Falte ist im Erdenkleid.

Todesvögel stoßen auf die Erde nieder,

Lassen Schutt und Qualm und zerfetzte Glieder.

Was sperrst du zu die Türen und schließt dich ein. Du hörst doch alle Nächte die Todgeweihten schrein. Atmet noch dein Kind den süßen Kinderschlaf,

Denkst du doch daran, wie viele es schon traf!

Falten sich die Hände, bitten sie um Leben

Uns ward nur der Tod durch Stahl und Brand gegeben.

Kein Erdteil zu groß, keine Insel zu fern,

Sie an höllischer Kette nicht blutig zu zerrn.

Keine Höhe zu hoch, keine Tiefe zu tief,

Die trommelnder Tod zum Aufruhr nicht rief. Versenkt sind die Schiffe, durchdonnert die Sphären. Zertrampelt die Saaten, verbrannt sind die Ähren.

Mein Herz schlägt wie ein Hammer und hält mich wach. Allen Menschenjammer fühl ich tausendfach.

Und ich sing den Toten mitten in der Nacht

Von verjüngten Tagen, von der Frühlingspracht.

Von verliebten Amseln, die so süß uns flöten

Ach, die Welt wär schön ohne unser Töten.

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