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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
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HEINRICH MANN

1942

Aus: Deutsche Schuld und Unschuld

Die Bauern und Arbeiter der Sowjetunion kämpfen und fallen, damit ihr Land frei sei und ihr Volk lebe nach selbstbeschlossenen Gesetzen. Die deutschen Soldaten ver­nichten und sterben rastlos, weil ihr Führer es befiehlt. Deutschland hat sie keineswegs entsendet, Deutschland kann ihr trauriges Heldentum entbehren, Deutschland wird nicht glücklicher, ob sie siegen oder sterben. Es ist zu fürchten, daß sie es wissen. Ihre Willfährigkeit ist ihre Schuld. Aber sie begehen im blinden Gehorsam auch Missetaten, die bis zu ihnen unbekannt gewesen waren...

Nur der Unwissende, der sich vermißt und erfrecht, wird fähig ihrer Untaten. In Paris zerstören sie die Erinnerungen an die Französische Revolution, auf der Sowjet- Erde die Andenken der großen Russen, das Tolstoi- Museum, die Häuser der Tschaikowski und Tschechow.

Das sind die übelsten Zeichen, nicht einmal hinter die Massengreuel treten sie zurück. Diese entstehen gerade, weil man schlechte Bücher oder gar keine gelesen hat. In der Preußischen Akademie versuchten wir einst, der Repu­ blik ein Lehrbuch zu geben, die Jugend sollte daraus lernen, Arbeit und Menschlichkeit zu ehren, nicht mehr die Heldentaten der Landsknechte. Die Republik , mit ihrer veralteten Verteilung von Macht und Besitz, hat sich gehütet, unser Lehrbuch einzuführen ein künftiges Deutschland aber soll laut die Wahrheit hören!

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