1942
Deutsche Hörer!
Es ist furchtbar schwer und ein Gegenstand beständiger ratloser Sorge, sich das Zusammenleben des deutschen Volkes mit den andern Völkern nach diesem Kriege vorzustellen. Es hat immer Kriege gegeben, und die Nationen, die sie ausfochten, haben dabei einander immer viel Übel zugefügt. Das pflegte, dank dem kurzen Gedächtnis der Menschen, nach Friedensschluß sehr rasch begraben und vergessen zu sein. Diesmal ist es anders. Was Deutschland tut, was es an Jammer, Elend, Verzweiflung, Untergang, an moralischer und physischer Zerrüttung der Menschheit zugefügt, indem es die revolutionäre Philosophie des Bestialismus ausübt, ist von einem solchen Maßstabe, so himmelschreiend, so hoffnungslos unvergeßbar, daß man nicht absieht, wie in Zukunft unser Volk unter den Brüdervölkern der Erde als gleiches unter gleichen soll leben können. Je länger der Krieg dauert, desto verzweifelter verstrickt dieses Volk sich in Schuld, und aus dem einzigen Grunde dauert er heute noch an, weil es euch Deutschen zu spät scheint zum Aufhören; weil euch Entsetzen erfaẞt bei dem Gedanken der Liquidation, der Abrechnung, der Sühne. Ihr müßt siegen, denkt ihr, damit die Revolution des Bestialismus sich über die ganze Welt erstrecke und in ihrem Zeichen eine finstere Verständigung zwischen euch und dem Rest der Welt möglich sei. Aber das kann nicht geschehen. Ihr seht es mit Augen, daß die Welt entschlossen ist, ihr Äußerstes zu tun, um das Schicksal abzuwehren, sich mit euch auf dem Fuße des Bestialismus zu begegnen, und die Kraft eurer Verzweiflung ist nicht dem Willen von drei Vierteln der Menschheit gewachsen.
Nicht siegen müßt ihr, denn das könnt ihr nicht. Ihr müßt euch reinigen. Die Sühne, um deren Vermeidung ihr
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