JOHANNES R. BECHER 1940 Flüchtling
In meinen Schritten irrt des Flüchtlings Schritt, Ins Heimatlose zieh ich mit ihm mit,
In seinem Blick, verwirrt von Angst und Schmach, Schaut auch mein Blick verlorener Heimat nach.
Ich bin ein Flüchtling in der Flüchtlingsschar, Bin nicht mehr der, der ich gewesen war.
Was ich verließ und was ich mit mir nahm? Dies nahm ich mit, die Frage: wie es kam—
O wär ein Land, das würf mich nicht mehr fort! Nenn mir die Stadt, die bietet sichern Hort!
Ich komm mit dir an einer Grenze an, Sag: welche Grenze ist uns aufgetan?
Die Grenze wächst, unüberschreitbar groß, Nur Flucht und Leid erscheinen grenzenlos.
Wo ich auch geh, geht eine Grenze mit Und überall heißt es: kein Übertritt!
Vielleicht werd ich am End geborgen sein In einem Wald, in einem dunklen Stein...
Ich geh mit dir denselben Weg entlang, O, ich erkenn dich schon an deinem Gang,
Ich wart auf dich und komme auf dich zu, Ich ruf dich an, ich ruf dich leise:„Du!“
„Wer bist Du?!“ fragst du, und ich halt die Hand Dir hin und sag:„Ich bin dein Volk. Dein Land.“
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