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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
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zurückgeworfen hinterlassen werden, er, der Feind der Menschheit, wird der Urheber gewesen sein.

Der Feind der Menschheit. Dahin ist es gekommen mit der Politik- Verachtung, dem kulturstolzen Antidemokra­tismus des deutschen Geistes, daß dieser schreckliche und schimpfliche Name, ein Name der Verfluchung, sein Teil geworden. Er hat sich's nicht träumen lassen und glaubt zu träumen, da er's gewahr wird. Und doch ist es wirklich­keit. Seine Weigerung, die Politik als ein Zubehör der hu­manen Aufgabe anzuerkennen, ist ausgegangen in den poli­tischen Schrecken selbst, die restlose Machtsklaverei, den totalen Staat; die Frucht seines ästhetizistischen Kultur­bürgertums ist ein Barbarismus der Gesinnung, Mittel und Ziele, wie die Welt ihn noch nicht sah; und seinem Vor­nehmtun gegen jede Befreiungs- Revolution verdankt er es, daß er zum Instrument eines amokläuferischen Umsturzes geworden ist, einer anarchischen, die Gründe und Stützen aller abendländischen Sittlichkeit und Gesittung bedro­henden Total- Revolution, mit der kein Hunneneinbruch früherer Zeiten den Vergleich erträgt.

.. Wir wollen feststellen: während im äußeren Völker­leben eine Epoche des zivilisatorischen Rückschlages, der Vertragsunwürdigkeit, Gesetzlosigkeit und des Dahin­fallens von Treue und Glauben angebrochen zu sein scheint, ist der Geist in ein moralisches Zeitalter eingetreten, will sagen: in ein Zeitalter der Vereinfachung und der hoch­mutlosen Unterscheidung von Gut und Böse. Das ist seine Art, sich zu rebarbarisieren und zu verjüngen. Ja, wir wissen wieder, was Gut und Böse ist. Das Böse hat sich uns in einer Nacktheit und Gemeinheit offenbart, daß uns die Augen aufgegangen sind für die Würde und schlichte Schönheit des Guten, daß wir uns ein Herz dazu gefaßt haben und es für keinen Raub an unserer Finesse erach­ten, es zu bekennen. Wir wagen es wieder, Worte wie Freiheit, Wahrheit und Recht in den Mund zu nehmen; ein Übermaß von Niedertracht hat uns der skeptischen

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