kann als den eines edlen und freien Geistes. Volk und Vaterland bedeuten nichts ohne die Freiheit- die Goethe ihnen voranstellt. In demselben Gespräch hat er gesagt, daß Wissenschaft und Kunst der Welt angehören, vor ihnen verschwinden die Schranken der Nationalität. Er hat nicht angenommen, diese Schranken könnten dereinst dennoch aufgerichtet werden, und sogar innerhalb der Schranken wäre ihm verboten, nach seinem Gewissen zu erkennen und zu bilden. Er geht weiter: auch der Trost durch Wissenschaft und Kunst ,, ersetzt das stolze Bewußtsein nicht, einem großen, starken, geachteten und gefürchteten Volk anzugehören".
Mit anderen Worten: er hätte damals gewünscht, Franzose zu sein. Der Kaiser, sein Freund, forderte ihn auf, seinen Wohnsitz in Paris zu nehmen, und er hat daran gedacht. Nach dem Sieg des deutschen Nationalismus war er verdächtig und hat für sein Leben gefürchtet. Weimar - unterschied sich von einer inneren Emigration nur allenfalls durch die amtlichen Würden des Emigranten. Es gab sein Schicksal öfter hat es seither immer gegeben. Der deutsche Nationalismus verstand es von je, die edlen Geister auszustoßen, und nachgerade tut er mehr. Der deutsche Nationalismus gleicht keinem anderen. Für ihn allein schließen Macht und Freiheit, die staatliche Macht und die menschliche Kultur einander aus.
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Angesichts des ,, Reiches", das er niemals ohne Anführungsstriche schrieb, hat Friedrich Nietzsche wörtlich vorhergesagt: ,, Die Deutschen selber haben keine Zukunft"-, was Verzweifelte um so eher jetzt behaupten mögen: wir nicht. Wir glauben mit Goethe an die Zukunft Deutsch lands , da es ohne schimpfliche List und ohne billige Gewalttaten wahrhaft stark und weniger gefürchtet als geachtet sein wird. Zu uns spricht Goethe: ,, Ich halte ihn so fest als Sie, diesen Glauben. Ja, das deutsche Volk verspricht eine Zukunft und hat eine Zukunft."
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