FRIEDRICH WOLF
1938
Lied der Illegalen
Hunderttausend Füße gehen in der Nacht, Hunderttausend Hände graben an einem Schacht, Tief ist der Schacht, ihr hört uns nicht,
Wir haben keine Stimme, wir haben kein Gesicht.
Der Mond ist eine Fackel, die Wolke löscht sie aus, Die Nacht ist unsre Heimat, die Nacht ist unser Haus, Wir ziehen stumm auf unsere Schicht,
Wir haben keine Stimme, wir haben kein Gesicht.
Wir fragen nicht: Wie lange? und nicht: Wann wird es sein? Wir graben immer weiter uns durch den dunklen Stein; Und sehn auch viele Tausend nicht mehr das Tageslicht, Grad diese Tausend sitzen einst droben zu Gericht.
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