1938
I
Die Ängste des Regimes
Ein fremder Reisender, aus dem Dritten Reich zurückgekehrt und befragt, wer dort in Wahrheit herrsche, antwortete: die Furcht.
2
Angstvoll
hält der Gelehrte mitten im Disput ein und betrachtet erblaẞt die dünnen Wände seiner Studierstube. Der Lehrer liegt schlaflos, nachgrübelnd über
ein dunkles Wort, das der Inspektor hingeworfen hat. Die Greisin im Spezereiladen
legt die zitternden Finger an den Mund, zurückzuhalten das zornige Wort über das schlechte Mehl. Angstvoll blickt der Arzt auf die Würgmale seines Patienten, voller Angst
sehen die Eltern auf ihre Kinder wie auf Verräter. Selbst die Sterbenden
dämpfen noch die versagende Stimme, wenn sie
sich von ihren Verwandten verabschieden.
3
Aber auch die Braunhemden selber
fürchten den Mann, dessen Arm nicht hochfliegt und erschrecken vor dem, der ihnen
einen guten Morgen wünscht.
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