Das Wort
Und als wir an die Grenze kamen, da hatten viele keinen Paß,
und mancher hatte keinen Namen. Doch jeder hatte seinen Haß.
Und jeder trug in seiner Seele
die Last der Sehnsucht mit sich fort, und jedem keimte in der Kehle
als Korn des Kommenden: das Wort.
Der Schnee war weg, die toten Blätter vom Vorjahr faulten auf dem Weg. Erbarmungslos im Frühlingswetter floß Licht durchs bittere Geheg.
Und hier verloren wir einander,
den Händedruck und den Geruch 88 der Kindheit; waren ausgewandert:
so fällt ein Wort aus altem Spruch.
Und hüben blaut der gleiche Flieder, dieselbe Sonne hüllt uns ein...
Das freie Wort, es darf uns wieder| Wegzehrung, Licht und Sammlung sein.
Einst, wenn durch wetternde Gemarken die Tage der Entscheidung gehn-, macht es uns Lebende erstarken
und unsre Toten auferstehn.


