1933
Rast auf der Flucht
Laß mich das Leben noch schmecken, eh die Vernichtung uns trifft: Gaskrieg, Marter, Verrecken, Bombe, tückisches Gift.
Sommerlich sind noch die Stühle auf die Straßen gestellt,
Bilder, Farben, Gefühle,
Schmuck einer glücklichen Welt. Gönne mir noch diesen weichen,
kindlich verspielten Genuß,
morgen vielleicht trifft zur gleichen
Zeit mich der tödliche Schuß.
Heut noch an Springbrunnen träumen
in den tönenden Tag,
sich an das Schöne versäumen
kurz vor dem Glockenschlag,
der das alles beendet,
dem letzten, den man vernimmt. Was das Geschick dann sendet,
werde, wie es bestimmt.
Heut laẞ zum letzten Male
arglos und froh mich hier sein,
fülle die gläserne Schale
mir mit Abschiedswein! Wird sie geleert zerscherben,
war ich doch göttlich zu Gast. Gönne vor Kampf und Sterben mir diese lindernde Rast!
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