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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
Seite
165
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ERICH WEINERT 1933

An einen deutschen Arbeiterjungen

Nicht weinen, mein Junge! Es ist geschehn. Du kannst deinen Vater nicht wiedersehn. Sie haben ihn auf der Flucht erschossen. Junge, einen unsrer besten Genossen!

Auf der Flucht erschossen! Junge, du weißt! Sie haben dir schon gesagt, was das heißt.

Zwei Kugeln von vorn, in die Stirn, in die Lunge. Sie haben ihn hingerichtet, mein Junge!

Du siehst mich an so entsetzten Gesichts.

Sei tapfer, mein Kind, ich erspare dir nichts. Sie haben ihn wie einen Hund geschunden. Er hat den qualvollsten Tod gefunden.

Als sie ihn holten, da hast du geschrien.

Und als er dich streichelte, schlugen sie ihn.

Er konnte kein Wort des Abschieds mehr sagen. Sie hatten ihm schon den Mund zerschlagen.

Sie schlugen auf ihn drei Tage lang,

Bis daß ihm die Haut auseinandersprang. Zittre nicht, Junge, du mußt es erfahren!

Ich will dir das Schrecklichste nicht ersparen.

Sie setzten ihm das Gewehr auf die Brust. Mit blutendem Mund hat er singen gemußt. Ihre Mordbrennerlieder mußte er singen. Auf blutenden Füßen mußte er springen.