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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
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Den Deutschen wird auch nachgerühmt die Liebe zu ihrer Sprache. Wohlan, ich habe dieser Sprache einen kleinen Tempel errichtet. Unter Handelsbotokuden, Zeitungs­kaffern ,,, mir- und- mich"-Biedermännern habe ich die Sprache Lessings, Goethes, Schillers geredet, und der frechste Verleumder, der lügenhafteste Pfaffe wagte es nicht, mir darin mein Verdienst zu schmälern.

Item: Ich habe mein Lebtag deutsch gesprochen und geschrieben, getrunken, geliebt( auch im Schwabenalter noch wie ein Vergißmeinnicht- Jüngling), geschwärmt, ge­kämpft; ich habe sogar dem lieben Herrgott sagen lassen, ich wollte bei etwaiger Unsterblichkeit lieber in die Hölle der alten Alemannen, Vandalen usw., die ihren Nacken nie der Taufe gebeugt, als in den christlichen Himmel und doch muß ich mir von ehrenwerten Politikern, von Großkrämern, ideallosen Philistern und sonstigen Herr­schaften, deren Deutsch nicht über den Katechismus, das Einmaleins und die Wacht am Rhein" hinausgeht, sagen lassen, ich sei kein echter deutscher Mann!

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Ich will den Geist meiner Mutter beschwören, er soll mir Trost einsprechen.

Für Freund und Feind

Mir bleibe fern der Unkenchor der Heuchler, Mir bleibe fern, wer lächelt stets und witzelt,

Mir bleibe fern, wen nur Gemeines kitzelt,

Mir bleiben fern die Hündler und die Schmeichler!

Ich lieb sie nicht, die stets bedächtig Weisen,

Auch nicht, die stets das Roß des Pathos reiten,

Auch nicht, die jammern stets von schlechten Zeiten, Auch nicht, die stets im selben Ringe kreisen.

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