ANONYMUS 1857
Klag- und Trostgesang deutscher Flüchtlinge
Was sind wir für Gesellen? Ganz ohne Wein und Bier, Und ohne Brot und Stellen, Wie ohne Wichs und Schmier.
Sonst tranken wir Burgunder, Und mehr oft als genug;+ Jetzt haben wir mitunter Kaum Wasser in dem Krug.
Sonst aßen wir auch Braten, Gar Schnepfen mit dem Dreck; Jetzt will uns niemand laden Zu Äpfelschnitz und Speck.
Drum haben wir geschworen Beim Hunger und beim Durst: Weil alles wir verloren,
Ist uns auch alles Wurst.
Doch eines muß uns bleiben, Ein Schätzlein muß uns sein: Der schönen Freiheit schreiben Wir Liebesbrief’ allein.
Ihr bleiben wir die alten ‚ In Glück und Mißgeschick,
Und mit ihr Hochzeit halten


