Druckschrift 
Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen

JOSEPH WEYDEMEYER

1852

Die revolutionäre Agitation unter der Emigration

Wir haben der Revolutionen und selbst der glücklichen Revolutionen in Europa schon eine"ziemliche Zahl, und immer ist noch die Sklaverei des Volkes nicht gebrochen; wir haben Könige auf den Schafotten fallen sehen, und immer ist die Macht derTyrannen und Volksunter- drücker wieder restauriert worden; wir haben eine Repu- blik mit allgemeinem Stimmrecht errichten sehen, und die Lage des Volkes wurde dadurch so wenig gebessert, daß schon einige Monate später die Arbeiter wieder in den Verzweiflungskampf getrieben wurden gegen die neuen Gewalten, nachdem sie sich in den einzelnen Plänkler- gefechten, die denselben vorbereiteten, ihrer Führer hatten berauben lassen. Mit der Revolution allein ist also noch nicht viel gewonnen, es kommt auf die Benutzung, auf die Ausbeutung der Revolution, d.h. auf den Kampf nach dem Siege an...

Die proletarische Revolution muß eine konzentrierte sein, weil sie einen konzentrierten Gegner zu bekämpfen hat; alle vereinzelten Insurrektionsversuche der Jahre 1848 und 1849 haben nur dazu gedient, diese Konzen- tration zu befördern und ihre Notwendigkeit immer deutlicher vor Augen zu führen. Nichts ist lächerlicher, als diese Rodomontaden von einer neuen ‚‚Verselbständi- gung der Revolution! Will man aber gar dem zer- splitterten Deutschland die welthistorische Rolle Frank- reichs übertragen, die Initiative für die Revolutionen des neunzehnten Jahrhunderts, so muß man in der Tat ganz und gar vergessen, daß es bis jetzt noch nicht einmal im Stande war, sich selbst von der Herrschaft seiner feudalen Herren zu befreien, daß die Gesellschaft, gegen deren Grundlagen die modernen Revolutionen gerichtet

138