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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
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LUDWIG PFAU

1849

Nach der Bluthochzeit von 1849

Wir harren all auf einen Tag,

Und der Tag, der Tag wird scheinen,

Für die Großen ein flammender Wetterschlag, Und ein Ostertag für die Kleinen;

Wo die Sonn aufgeht wie Blut so rot,

Und der Mond so bleich als wie der Tod-

Der Tag wird kommen!

Ihr habt das Meer und des Stroms Gebraus

In des Winters Fesseln geschlagen,

Und habt erbaut euer stattliches Haus

Auf dem Eise, das muß euch tragen;

Doch horch! wie's stöhnt und dröhnt und kracht!

Der Grund ist lüstern nach eurer Pracht-

Der Tag wird kommen!

Weh euch! wenn der Frühling stürmt und saust,

Bis die berstenden Schollen brechen,

Bis der Bach und der Fluß und der Strom erbraust,

Die gefesselten Geister sich rächen,

Und das rote Meer, das vergossene Blut,

Den Pharao friẞt samt seiner Brut-

Der Tag wird kommen!

Ha! kommen wird er, dem Simson gleich

Die gewachsenen Locken schüttelnd Und an den Säulen von eurem Reich

Mit riesigen Armen rüttelnd,

Und wird euch singen ein Lied dabei, ,, Allons enfants" heißt die Melodei-

Der Tag wird kommen!

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