1846
Die Gefangenen
Die Nacht ist kalt, die Nacht ist stumm, Sie werfen sich auf der Streu herum, Zernagt von Qualen und Grausen.
Es schwanket der Lampe bleiches Licht Und beleuchtet der Düsteren Angesicht, Drin Not und Jammer hausen.
Es spricht der eine: ,, Wer schafft nun Brot Für meines Weibs und der Kinder Not, Die hungernd im Elend sitzen?
Sie harren und siechen ihr Leben lang, Und wie ich in schweren Nöten rang, Mein Handwerk wollte nichts nützen."
Der zweite spricht: ,, Am Geweb lag's nicht, Daß ich Nacht und Tag nur Not und Schmach Gesponnen mit meinen Zetteln.
Und lieg ich auch im Gefangnenhaus,
So seh ich doch nicht meines Weibes Graus.
Mag stehlen sie oder betteln."
Der dritte seufzt: ,, Jahraus, jahrein Bebaut ich am Berge mein Eckchen Wein, Den Lohn, den fraß die Steuer.
Und saß ich daheim in Jammer und Qual, Für das Brot doch, das ich dem Bäcker stahl, Ist wahrlich die Strafe teuer."
Es flucht der vierte: ,, Mit Schweiß und Blut Bestellt ich des reichen Grundherrn Gut, Doch mich nicht nährten die Hände.
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