1843
Briefe aus dem Exil
Sitten, im Juni
Nein, ich will mich nicht auf dem Gnadenweg ins Vaterland hineinschmuggeln lassen. Was sollte ich auch in Deutschland ? Zur Ertragung einer sogenannten soliden bürgerlichen Existenz bin ich ein für allemal verdorben, meine früheren Verhältnisse sind gestört, mein Vater hat mir schon 1833 Namen und Rechte eines Sohnes entzogen, meine Mutter- oh, diese zu sehen und zu küssen, hätte ich mich schon voriges Jahr auf alle Gefahr hin nach Deutsch land aufgemacht, aber sie ist tot. Ich erfuhr es schon in Paris . Die Braut, die mir ewige Treue gelobte, pah, sie ist ein Weib und hat nur als solches gehandelt, als sie nach meiner Flucht aus Deutschland ihre Hand dem Justizrat reichte, der mich nach der Frankfurter Geschichte verhörte. Die Mitglieder meiner Familie sind zahlreich, haben sich aber nie um mich gekümmert. Sie würden mich, sähen sie mich wieder, für einige Tage in einem Hinterstübchen logieren und dann hingehen heißen, wo ich hergekommen...
Rapperswil am Zürichsee , im Juli
Vom Grabe Ulrich von Huttens, deines herrlichen Sohnes, schweiften meine Gedanken über Seen und Berg und Täler hinüber zu dir, mein Vaterland, du Heimat der Philosophie und der politischen Ohnmacht, der Poesie und der Zensur, der Romantik und der Untersuchungskommissionen, der Fürsten und Hofräte, der Professoren und Kandidaten, der Lakaien und anderen Getiers. Ich denke dessen, daß du zu allen Zeiten darben ließest deine Apostel und austriebst deine Propheten, und eine grimmige Lust
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