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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
Seite
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GEORG BÜCHNER

1835-1837

An die Familie

Straßburg , Juli 1835

Ich habe von Glück zu sagen und fühle mich manchmal recht frei und leicht, wenn ich den weiten, freien Raum um mich überblicke und mich dann in das Darmstädter Arresthaus zurückversetze. Die Unglücklichen! Minnige­rode sitzt jetzt fast ein Jahr; er soll körperlich fast aufge­rieben sein, aber zeigt er nicht eine heroische Standhaftig­keit? Es heißt, er sei schon mehrmals geschlagen worden- ich kann und mag es nicht glauben. A. Becker wird wohl von Gott und der Welt verlassen sein: seine Mutter starb, während er in Gießen im Gefängnis saß; vierzehn Tage darnach eröffnete man es ihm!!!

An die Familie

Straßburg , 15. März 1836

Übrigens sind wir Flüchtigen und Verhafteten gerade nicht die Unwissendsten, Einfältigsten oder Liederlichsten! Ich sage nicht zuviel, daß bis jetzt die besten Schüler des Gymnasiums und die fleißigsten und unterrichtetsten Stu­denten dies Schicksal getroffen hat, die mitgerechnet, welche von Examen und Staatsdienst zurückgewiesen sind. Es ist doch im ganzen ein armseliges junges Geschlecht, was eben in Darmstadt herumläuft und sich ein Ämtchen zu er­kriechen sucht!

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