SIEBENPFEIFFER 1834
Der Tag wird kommen!
Unterdrücket nur! Ihr könnt bewirken, daß die Bürger schweigen, aber es kocht geheim desto heftiger der Unmut; stille Verschwörungen, die euch keine Stunde nächtlicher Ruhe lassen, treten an die Stelle der Presse, der Volksver- sammlungen, bis der offene Kampf zur Reife gediehen. Köpfe lasset abschlagen, es wachsen an jedem Rumpfe hunderte nach. Die Leiber könnet ihr einkerkern, aber der Geist ist frei und schreitet erleuchtend umher. Die Vor- kämpfer mögt ihr verbannen— ihr Märtyrer-Andenken erweckt ganze Scharen... Wie kann ein Heer von dreißig-, von hunderttausend tapferen Männern noch lang im Wahne stehen, daß blinder Gehorsam sein Beruf, daß völlige Rechtlosigkeit seine Auszeichnung, und daß es seine Ehre sei, auf jedem Knopf den Namenszug vielleicht eines unmündigen Kindes oder eines Blödsinnigen, eines wilden Menschenschächters oder eines siechkranken Feiglings zu tragen?.... Füttert mit dem Schweiße des Volkes Angeber und Verleumder, und ihr werdet im eigenen Busen die Schlange nähren:... Wie bald werden eure. Werkzeuge wahrnehmen, daß der Kot, durch welchen ihr euch mit ihnen wälzt, zunächst an ihnen selbst hängen bleibt; daß der goldene Flitter am Kragen, um welchen sie sich und ihre Söhne verkaufen, zum Brandmal, zur Zielscheibe des Volkshasses wird!... Brechet Eide, spielet mit Ver- fassungen, verhöhnet das Gesetz, zertretet die Autorität, vernichtet die Ehrfurcht der Menschen vor allem, was ihnen heilige Scheu erwecken sollte: ihr werdet euch selbst unter den Trümmern begraben, und aus dem Chaos selbst wird das lichte Gesetz des neunzehnten Jahrhunderts, wird eine neue Welt erstehen, der frische, jugendliche Tag an- brechen der Völkergeburt.


