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Das Wort der Verfolgten : Anthologie eines Jahrhunderts / herausgegeben von Bruno Kaiser
Entstehung
Seite
21
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J. G. A. WIRTH

1833

Aus der Rede vor Gericht

Der Menschheit neue Schöpfung- dies ist unser Streben, unser Ziel. Großartig und herrlich ist das Werk, rettend für die gequälte Menschheit, rettend insbesondere für unser zerrissenes, unglückliches Vaterland...

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Ja, die Menschheit kann das Glück, sie kann die Tugend der Völker, sie kann ewige Freiheit und Gerechtigkeit sich schaffen wenn alle Kräfte frei sich regen, wenn die Ideen ungehindert sich entwickeln können, und wenn durch reine volle Freiheit ein wahres öffentliches Volksleben gegeben ist. Aber die deutschen Fürsten binden alle Kräfte, sie hemmen und unterdrücken alle Ideen, sie töten alles öffent­liche Volksleben. Unsere Literatur hat eine sehr hohe Stufe erstiegen und die Wissenschaft die reinste theore­tische Ausbildung erlangt. Allein jetzt, wo die Freiheit, von der unsere Dichter singen, ins Leben tritt und die hohen Lehren unserer Weisen über Völkerleben und Men­schenglück endlich die praktische Anwendung finden sollen, jetzt widersetzen sich die deutschen Könige mit der rohen Macht der Bajonette...

Und wir, Freunde des Volkes und der Menschheit, wir sollten dem verwegenen und völkerverheerenden Be­ginnen dieser Fürsten nicht mit der ganzen Kraft unseres Geistes uns entgegensetzen, wir sollten ruhig zusehen, wie unsere Nation durch solche Usurpatoren unterdrückt, wie unserm Vaterlande seine schöne Zukunft und dem ganzen Menschengeschlechte seine herrliche neue Schöpfung ab­geschnitten wird? Nein! Solange diesen Körper noch ein Hauch beseelt, solange bleibt sein Geist dem Kampfe gegen die deutschen Fürsten geweiht.

Und Sie, meine Herren Geschworenen , Sie wollen dem Streben der Freunde Ihres Vaterlandes ebenfalls sich ent­

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