Humanismus, nach dem Vorbild der Größten ihres Landes. Gewiß wäre es falsch, die Emigration schlechtweg zu glorifizieren, die Emigranten selbst sind es, die manch unheilvollen Einfluß des Exils auf den Charakter des Flüchtlings an den Pranger gestellt haben. Und unter den Flüchtlingen des 19. und 20. Jahrhunderts, die das Unrecht im Vaterland anklagen, sind neben den überragenden Männern viele, deren Wort wenig ins Gewicht fällt, trotz der redlichen Mühe, die sie daran verwandten. Diese Zusammenstellung, die einen knappen Blick in das Schaffen der deutschen Emigration von einst und von heute gewährt, wollte die tapferen Zwerge neben den Riesen nicht übergehen, und so kommt es vielleicht, daß bei einer chronologischen Anordnung- die von besonderem Nutzen schien- eins der edelsten Gedichte der deutschen Sprache neben die Bemühungen eines Dichterlings zu stehen kommt, oder daß sich wenige Sätze des Meisters klar von einem benachbarten bombastischen Wortaufwand scheiden. Bekanntes findet sich neben Unbekanntem, aber es scheint, daß auch vertraute Zeilen in diesem neuen Rahmen eine Neuentdeckung bedeuten können.'
Besonders mag der erste Versuch, eine kurze Seite aus dem Wirken der heutigen Emigration einzuordnen, überraschen. Ein schwieriges Unterfangen, denn es ist sehr viel einfacher, an die einschlägige Literatur des Jahres 1844 zu gelangen als an die von 1944. Zwar sind auch Flüchtlingsdokumente der alten Zeit oft von größter Seltenheit, aber vieles ist im Laufe der Jahre durch Neudrucke oder sonstige Wiedergabe leichter zugänglich geworden; ein großer Teil wertvoller Publikationen des letzten Jahrzehnts jedoch hat noch gar nicht den Weg in die Schweiz gefunden, was natürlich vorwiegend die Produktion aus der Zeit des Krieges betrifft. Dank freundlicher Hilfe, die einige kenntnisreiche Flüchtlinge gewährten, war es hier möglich, schwer erreichbares Material zu sammeln und es erneut, oder überhaupt zum ersten Male, ans Licht zu bringen.
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