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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
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hätte ich gewußt, daß man eben in diesem Augenblicke den Bombentrichter eilig zuschaufelte, in dem man die zweiund> fünfzig letzten Opfer des Gestapomordwahnes in Linden­ thal verscharrte. Ihre Leichen wurden erst ein paar Tage später aufgefunden...

Am nächsten Tage feierte ich ein fröhliches Wiedersehen mit Fritz Oehme, der mich zunächst einmal allen den Männern seiner Bekanntschaft feierlich vorstellte, die gleich uns im Polizeiknast gesessen hatten. Als ich nach Hause kam, hatte ich einen großen Karton mit allerhand Lebensmitteln unterm Arme: Dinge, die meinem verhungerten Dasein den trügeri­schen Schein der Fülle vortäuschten. Aber die Hauptsache da bei war doch, daß ich am ersten Tage meiner wiedergewon­nenen Freiheit mitfühlenden Herzen begegnete, die meinen stark erschütterten Glauben an die Menschheit hoffnungs­froh belebten!

Fünf Tage lebte ich bei meinen Freunden ziemlich zurück­gezogen. Am 18. April rückten die Amerikaner in Leipzig ein. Endlich konnte ich mich in meiner Heimatstadt wieder frei bewegen, und dieser Umstand allein genügte, mich für vieles, ja fast für alles zu entschädigen, was ich an Schlim­mem erlebt hatte...

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